Swisscom ist enttäuscht
Ende der Swisscom-Telekom-Austria-Saga

Das Ende der Swisscom-Telekom-Austria-Saga. Zum zweiten Mal innerhalb von knapp zwei Jahren scheiterte ein Swisscom-Anlauf, den Nachbarn Telekom Austria zu übernehmen. Weitere Versuche sollen nicht folgen.

HB WIEN/ZÜRICH. „Das ist das Ende der Swisscom-Telekom-Austria-Saga“, sagte Swisscom-Chef Jens Alder am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Er glaube nicht, dass sich daran zukünftig etwas änderen werde. Andere Möglichkeiten für Zukäufe bestünden derzeit nicht. „Ich sehe in der nächsten Zukunft keine substanziellen Akquisitionsmöglichkeiten“, sagte er weiter. Swisscom hat eine volle Kasse. Die Swiss werde weiter in der Geschäft investieren, „ansonsten wird das Geld an die Aktionäre wandern,“ so Alder.

Das letztendliche Scheitern der Verhandlungen bezeichnete Alder als enttäuschend. „Man arbeitet nicht gern zwei Jahre und dann kommt nichts dabei raus“, sagte er. Jedoch wollte er entgegen entsprechenden Aussagen aus Wien der österreichischen Politik keine Schuld am negativen Ausgang der Verhandlungen anlasten. „Es ist ein sehr komplexes Geschäft, der österreichischen Politik ist nichts vorzuwerfen“, sagte er. Vielmehr habe eine Güterabwägung zwischen politischen und unternehmerischem Risiko im Endeffekt den Ausschlag gegeben. Die Übernahme sei für Swisscom lediglich ein strategische Option gewesen, keine unternehmerische Notwendigkeit, merkte er an.

Österreich: Unterstützung hat gefehlt

Auch die österreichischen Staatsholding ÖIAG, die insgesamt 47,2 Prozent der TA-Anteile hält, gab sich enttäuscht. „Das Konzept wäre ein ideales Konzept gewesen, aber in den verschiedenen Entscheidungsebenen war nicht die notwendige Unterstützung zu erhalten“, sagte ÖIAG-Aufsichtsratchef Alfred Heinzel. Welche Ebenen dies seien, wollte er vorerst so exakt nicht sagen. Dies gelte für vor allem für Österreich, aber auch in der Schweiz habe es Widerstand gegeben.

Die ÖIAG habe erkennen müssen, dass die Unterstützung dafür fehle. Die Frage, ob die Transaktion an Österreichs Politikern gescheitert ist, liessen Heinzel und Michaelis unbeantwortet. Dass zumindest in Österreich die Politik massgeblich in die Entscheidung eingegriffen hat, sagte ein in die Transaktion Involvierter.

„Die sind zurück gepfiffen worden“, hiess es in diesen Kreisen.

Tatsächlich war seit Montag in Österreich öffentlich intensiv über die geplante Fusion von Swisscom und TA diskutiert worden. Die Ablehnung ging quer durch die Regierung, Gewerkschaften und Opposition.

ÖIAG verfolg Börsenpläne weiter

Die ÖIAG will nun ihre Börsepläne weiter verfolgen. Einen Zeitpunkt für den Börsegang gebe es nicht, dieser könnte sich nun auch in das Jahr 2005 hineinziehen.

Heinzel sagte zudem, „es wird noch x andere Möglichkeiten geben“. Die Gespräche mit der Swisscom seien aber endgültig vom Tisch.

Das Konzept habe vorgesehen, dass Swisscom letztlich bis zu 80 Prozent an der TA kontrolliert, der Rest wäre an der Börse Wien verblieben. Der Einstieg wäre so erfolgt, dass Swisscom 25 Prozent der TA erwirbt und die ÖIAG im Gegenzug elf Prozent der Holding mit dem Namen „Swisscom Telekom Austria“ plus besondere Minderheitsrechte bekommt. Ein Angebot an den Streubesitz wäre gefolgt. Den Preis bestätigte Michaelis nicht, sagte aber, dass die Berechnungen der Analysten, die einen Preis von 15,50 Euro zu Grunde gelegt hatten, nicht weit weg vom verhandelten Preis gewesen wären.

Laut Heinzel hätten beide Unternehmen profitiert. Die Gruppe wäre die siebentgrösste Telekom-Gruppe in Europa gewesen und hätte gemeinsam in Zentraleuropa schneller wachsen können, zumal beide Unternehmen auf gesättigten Heimmärkten operierten.

Die Swisscom-Aktie schloss unverändert, nachdem sie nach Bekanntgabe des Abbruchs der Verhandlung um über 1,3 Prozent im Plus gelegen hatte.

An der Börse Wien sanken TA um rekordverdächtige 17 Prozent auf 11,75 (14,16) Euro, was die Gewinne der vergangenen Tage in der Hoffnung auf ein Übernahmeangebot mehr als ausradiert.

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