Synergien
Bild startet eigenes Mobilfunkangebot

Das Handy mit eingebauter Zeitung: Axel Springer beginnt am Dienstag mit dem Verkauf einer eigenen Mobilfunk-Prepaid-Karte. Gleichzeitig wird ein Mobilportal unter www.mobile-bild.de gestartet. Kunden mit einem Bild-Handy werden dann jederzeit mobil kostenlos auf die Bild-Inhalte wie Nachrichten, Sport, People oder Ratgeber zugreifen können. Auch die Kosten für die Datenübertragung entfallen im Inland vollständig. Wer allerdings andere Webseiten oder sogar andere Zeitungsseiten aufrufen will, der zahlt 35 Cent pro Megabyte Datentransfer.

DÜSSELDORF. Wer die Seite Mobile-bild.de am Montag ansurft, wird noch auf die Webseite von Bild-T-Online des Joint-Ventures mit der Telekom weitergeleitet. Doch damit ist dann Schluss: Der neue Mobilkanal wird zu 100 Prozent bei Springer liegen, sagt Torsten Brandt, Mitglied der Verlagsgeschäftsführung der Zeitungsgruppe Bild, dem Handelsblatt. Inhalte und Vertrieb übernimmt Springer. Als Ziel nennt er eine „deutlich sechsstellige“ Zahl von Telefon-Neukunden pro Jahr. Man wolle bei den Billig-Mobilfunkanbietern definitiv „vorne mitspielen“. Wann das Projekt profitabel sein soll, will Brandt nicht kommentieren.

Das „Bildmobil“ getaufte Prepaid-Angebot reiht sich in die Gruppe der Discountangebote wie Alditalk, Klarmobil oder Base ein und wird über rund 11 000 Verkaufsstellen vertrieben, die auch die Bildzeitung verkaufen. Die Minute ins deutsche Fest- oder Mobilnetz wird zehn Cent kosten. Technischer Dienstleister ist ein Joint-Venture der Bertelsmann-Tochter Arvato mit Vodafone, dem schäfsten Konkurrenten des Web-Partners Telekom.

Die Nutzung des Bild-Mobil-Portals wird für Telefonkunden kostenfrei sein, es soll ein „umfassendes Basisangebot“ angeboten werden. Einzelne „Premium-Inhalte“ wie Videos sollen aber kostenpflichtig werden. Ob Bild das Portal weiter ausbauen werde, hänge vom Erfolg des Angebots ab, heißt es. Aber Bild-E-Mail, Bild-Musikshop oder Bild-Suchmaschine sind denkbar.

Das Geldverdienen mit Mobilfunk und mobilem Internet ist aber nur ein Aspekt. Es sei „essenziell für die auflagenstärkste Boulevardzeitung Deutschlands, auch mobil mit einem digitalen Produkt präsent zu sein“, sagt Brandt. Zehn bis zwölf Mitarbeiter der Bild-Redaktion sollen für Bild-Mobile tätig sein: „Die Synergien zwischen gedrucktem und mobilem Produkt können enorm werden.“ Brandt geht davon aus, dass die verschiedenen Medienformen auf Dauer parallel am Markt bleiben werden. Mobil könnten dann Themen der aktuellen Ausgabe über den Tag weiter ausgebaut werden, auf die Themen der kommenden Zeitungsausgabe wird schon am Abend hingewiesen. Die Bild-Zeitung kämpft seit Ende der 90er Jahre mit sinkenden Auflagen.

Außerdem lockt der Mobilfunk-Werbemarkt. „Werbetreibende suchen bereits dringend Inhalte für ihre Anzeigen“, sagt Brandt. Das US-Unternehmen ABI Research schätzt, dass der weltweite mobile Werbemarkt von jetzt 1,5 Mrd. Dollar bis 2011 auf 15 Mrd. Dollar verzehnfachen wird. Der Internetriese Google geht davon aus, dass in wenigen Jahren mehr Menschen das Web per Handy nutzen werden als per PC. Durch die kostenlose Nutzung per Handy hofft Brandt auf hohe Reichweiten für sein Handy-Portal.

Das Startset von Bildmobil soll 9,95 Euro kosten, darin enthalten sind fünf Euro Startguthaben. In Kiosken oder sonstigen Bild-Verkaufsstellen können Guthabenkarten zu 10 oder 20 Euro erworben werden. Daneben ist eine Wiederaufladung ebenso an mehr als 20 000 etablierten elektronischen Aufladestationen für Prepaid-Karten wie Tankstellen oder im Internet möglich. Die Anmeldung bei Bildmobil ist anonym, über das Prepaid-Verfahren hofft Springer auch Kunden ohne Kreditkarte oder eigenes Bankkonto ansprechen zu können.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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