T-Mobile UK
Telekom-Tochter im Visier der Rivalen

Die Deutsche Telekom schließt einen Verkauf ihrer britischen Mobilfunktochter nicht aus. Interessenten gibt es mehrere. In Branchenkreisen hieß es am Montag, dass neben Vodafone auch die Telefónica-Tochter O2 prüfe, ob sich ein Kauf für sie lohne. Die France-Télécom-Tochter Orange habe bereits ein Angebot abgegeben, ist zu hören.

DÜSSELDORF/LONDON. Die drei Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern, auch die Deutsche Telekom hüllte sich in Schweigen. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass der Bonner Konzern auf dem heiß umkämpften britischen Markt große Probleme hat. Finanzchef Timotheus Höttges hatte Anfang Mai auf der Hauptversammlung erklärt, dass der Markt auf der Insel konsolidiert werden müsse und es für die Telekom dabei „keine Denkverbote“ gebe.

Der Konzern hatte im ersten Quartal 1,8 Mrd. Euro vom Wert seiner britischen Tochter abgeschrieben, nachdem Umsatz und Gewinn dramatisch gefallen waren (siehe Kasten). Das lahmende Geschäft auf der Insel war neben enttäuschenden Verkaufszahlen in den Vereinigten Staaten mitverantwortlich für die Gewinnwarnung, mit der Telekom-Chef René Obermann Ende April die Anleger geschockt hat.

In Kreisen des Telekom-Aufsichtsrates heißt es, der Zeitpunkt für einen Verkauf sei nach der Gewinnwarnung und der hohen Abschreibung schlecht. „Die Telekom ist jetzt in der Defensive“, heißt es. „Der Markt erwartet nun, dass wir handeln.“ Das habe in der Regel zur Folge, dass keine guten Verkaufspreise erzielt werden könnten. „Wir werden T-Mobile UK nicht für 3,5 Mrd. Euro verschleudern“, kündigten Aufsichtsratskreise an.

Experten gehen davon aus, dass die britische Tochter zwischen drei und vier Mrd. Euro wert ist. Übernimmt sie einer der großen Wettbewerber, könnte er aber Synergien realisieren – und einen entsprechend höheren Preis bezahlen. Frank Rothauge von Sal. Oppenheim geht davon aus, dass die Telekom bei einem Verkauf an Vodafone bis zu 4,5 Mrd. Euro für ihre Tochtergesellschaft erzielen kann.

Zudem gibt es ein Argument, dass für einen baldigen Verkauf spricht: Ende des Jahres werden in den meisten Ländern Europas neue Mobilfunklizenzen vergeben, auch in Großbritannien. Analysten rechnen damit, dass Wettbewerber jeweils 600 bis 800 Mio. Dollar zahlen müssen, um sich mit genügend neuen Kapazitäten zu versorgen.

Für ein Unternehmen, das auf dem umkämpften britischen Markt ohnehin eine Übernahme plant, ist es sinnvoll, diese vorher abzuschließen. Dadurch müsste derjenige nur einmal bieten statt in getrennten Einheiten zweimal Geld für Frequenzen auszugeben, die man im Verein nicht mehr braucht.

Die „Financial Times“ hatte am Montag berichtet, dass Vodafone eine Übernahmeangebot für T-Mobile prüfe und alternativ eine Kooperation erwäge. Die Aktienkurse beider Unternehmen profitierten von der Nachricht und legten jeweils um gut zwei Prozent zu. Experten überraschte diese deutliche Reaktion. „Es ist klar, dass die Telekom in Großbritannien Probleme hat und einen Verkauf nicht ausschließt“, sagt ein Analyst. „Da ist es doch selbstverständlich, dass Wettbewerber eine mögliche Übernahme durchrechnen.“

Auch die Kurse anderer möglicher Käufer stiegen am Montag: France Télécom legte um 2,5 Prozent zu, die O2-Mutter Telefónica um knapp ein Prozent. Die Spanier sind stark in Lateinamerika vertreten, für sie fällt der britische Markt weniger ins Gewicht als für die anderen Anbieter.

Thomas Friedrich von Unicredit weist allerdings darauf hin, dass es bei einer Übernahme von Vodafone zu kartellrechtlichen Problemen komme könne: Vodafone und T-Mobile hielten zusammen 40 Prozent Marktanteil. Die Kartellbehörde könnte ihre Zustimmung an Bedingungen knüpfen, etwa den Verkauf von Unternehmensteilen. Das würde die Übernahme unter Umständen weniger attraktiv machen.

Hinzu komme, dass Vodafone erst vor kurzem eine umfangreiche Kooperation mit dem britischen Marktführer O2 über eine gemeinsame Nutzung von Teilen ihrer Netze abgeschlossen hat. „Ein Gebot für T-Mobile UK würde bedeutet, dass sie ein neues Pferd satteln und könnte einen komplizierten Integrationsprozess zur Folge haben“, sagt Analyst Friedrich.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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