T-Mobile-US-Chef fliegt von AT&T-Party: Rausschmiss statt rauschender Ballnacht

T-Mobile-US-Chef fliegt von AT&T-Party
Rausschmiss statt rauschender Ballnacht

Er wollte nur den Auftritt eines Rappers sehen. Doch leider ist John Legere der US-Chef von T-Mobile, und der Auftritt war Teil der Party von Konkurrent AT&T. Über den Rausschmiss gröhlt nun halb Las Vegas.
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Las VegasFast möchte man meinen, das hat er so geplant: John Legere, Chef von T-Mobile USA, wurde am Montag Abend von Sicherheitsleuten aus einem Nachtclub geworfen, in dem der größte Konkurrent AT&T eine rauschende Party für Teilnehmer der Konsumelektronikmesse CES in Las Vegas zelebrierte. Kurz nachdem ein Reporter ein Bild Legere’s auf Twitter veröffentlicht hatte, hatten ihn die Security-Leute entdeckt und umgehend entfernt und ganz Las Vegas lacht über AT&T, den grantelnden Mobilfunkriesen mit der dünnen Haut.

Mehr Publicity geht kaum noch. Die beleidigte Reaktion des Branchenriesen AT&T beleuchtet einen der bizarrsten Machtkämpfe der US-Telekomindustrie. Einst Möchtegern-Partner sind die beiden Mobilfunk-Betreiber seit dem Verbot ihrer Fusion Ende 2011 erbitterte Feinde. Die Bonner Mutter Telekom installierte Legere als neuen CEO. Der nutzte die Mobilfunk-Frequenzen, die AT&T als Teil eines sieben Milliarden Dollar schweren Entschädigungspakets an T-Mobile-USA abtreten musste, um einen veritablen Konkurrenten aufzubauen.

Legere brach mit alten Traditionen der US-Mobilfunkmärkte, schaffte die zweijährige Vertragsbindung für die Kunden ab, unterbot die Tarife der Konkurrenz, ließ gegen eine Gebühr von zehn Dollar im Monat Kunden viermal im Jahr ein neues Smartphone wählen und schaffte die Roaming-Gebühren im internationalen Datenverkehr ab – zumindest für langsame Datenverbindungen. Wer in den USA ein Tablet in ein T-Mobile-Geschäft bringt, bekommt eine SIM-Karte und 200 MB Datenvolumen pro Monat – kostenlos und unbegrenzt.

Ach ja: Und in keinem seiner öffentlichen Auftritte lässt Legere es aus, seine Konkurrenten, an vorderster Front AT&T, mit Hohn und Spott zu überziehen und sie offen als geldgierige Blutsauger darzustellen, die nur ihre Kunden übertölpeln. Eine Sicht der Dinge, die bei vielen Amerikanern auf Zustimmung stößt. In Umfragen sind die Meinungswerte der großen Telekomgesellschaft meist zwischen schlecht und ganz schlecht angesiedelt. Legere dagegen genießt mit seinen Spitzen gegen AT&T, Verizon und Co. Kultstatus.

Der Erfolg der Krawalltour: Im zweiten und dritten Quartal 2013 zusammen, sammelte T-Mobile USA rund 1,5 Millionen Neukunden mit Monatsverträgen ein. Weit mehr als jeder andere. Nicht zuletzt, weil T-Mobile endlich auch Apples iPhone im Programm hat. Sein Fehlen war für viele der letzte Grund, nicht zu wechseln.

AT&T wiederum verkündete vor zwei Wochen ein Rabattprogramm, das Wechslern 450 „Credits“ einräumte, wenn sie von T-Mobile kommen. Legere ätzte prompt gegen seinen CEO-Counterpart Randall Stephenson auf Twitter: „Gedächtnisschwund, was Randall? Im September hast Du noch gesagt, wir stören dein Geschäft überhaupt nicht. Darum versuchst Du jetzt wohl auch unsere Kunden zu bestechen.“

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„What happens in Vegas stays in Vegas“

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