T-Mobile USA
US-Abgeordnete fordern mehr Mitbestimmung

Kalifornische Abgeordnete werfen der Telekom vor in bei ihrer US-Mobilfunktochter aktive Gewerkschaftsarbeit zu verhindern. Die Parlamentarier unterstellen Telekom-Chef René Obermann Doppelmoral.
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DÜSSELDORF. Die Deutsche Telekom steht wegen fehlender Mitbestimmungsrechte ihrer Mitarbeiter in den USA in der Kritik. 15 kalifornische Kongress-Abgeordnete drücken in einem Schreiben an Telekom-Chef René Obermann ihre "große Besorgnis über den beunruhigenden Doppelstandard im Hinblick auf die Arbeitnehmerrechte" aus. Der Brief liegt dem Handelsblatt vor. Anders als in Deutschland, wo die Mehrzahl der Telekom-Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert ist, gibt es bei T USA-Mobile keine Interessenvertretung.

Hintergrund ist eine andere Gesetzgebung in den USA. Dort muss eine Gewerkschaft von der Mehrheit der Mitarbeiter gewählt werden, damit sie anerkannt wird. In Deutschland reicht es, wenn ein Mitarbeiter Mitglied einer Gewerkschaft ist, damit diese für alle Beschäftigten einen Tarifvertrag aushandeln kann. Zudem sind deutsche Firmen verpflichtet, Gewerkschaftern Zugang zum Unternehmensgelände zu gewähren, damit sie dort für sich werben können.

Das ist in den USA nicht der Fall. Die kalifornischen Abgeordneten werfen der Telekom in dem Brief vor, T USA-Mobile habe "aktiv daran gearbeitet, jegliche Gewerkschaftsaktivitäten zu unterbinden". So schildere ein Handbuch aus dem Jahr 2003, wie erste Hinweise auf gewerkschaftliche Aktivitäten frühzeitig erkannt und bekämpft werden könnten. Die US-Abgeordneten fordern, die Telekom solle "eine angemessene und faire Arbeitsbeziehung zwischen T-Mobile und ihren Beschäftigten implementieren, ähnlich der Unternehmenspraxis in Deutschland".

Die Parlamentarier schließen sich damit der Kritik der deutschen Gewerkschaft Verdi und deren US-Pendant Communications Workers of America (CWA) an. Beide monieren seit Monaten, dass Gewerkschaftsvertreter noch nicht einmal auf das Gelände der Telekom vorgelassen werden. "Die Telekom verschanzt sich hinter dem US-Recht, dabei geht es um eine höhere Ebene - um ethische Standards", sagte Lothar Schröder, Verdi-Bundesvorstand und stellvertretender Aufsichtsratchef der Telekom.

Die Telekom erklärte, sie werde den Brief ebenso beantworten wie ähnliche Anfragen, die sie in der Vergangenheit aus den USA erhalten habe. Bislang habe sie die Kritiker stets davon überzeugen können, dass sich der Konzern nur an das geltende Recht halte. T USA-Mobile sei erst im vergangenen Jahr vom US-Magazin "Fortune" zu einem der 100 besten Arbeitgeber gewählt worden.

In Konzernkreisen heißt es, die kalifornischen Abgeordneten unterstützten wohl wegen der bevorstehenen Gouverneurswahlen die Argumente der Gewerkschafter. T-Mobile ist nicht das einzige US-Unternehmen, in dem es die Arbeitnehmervertreter schwer haben: Nur jeder achte amerikanische Beschäftigte ist Mitglied einer Gewerkschaft.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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