T-Online
Hauptversammlung: Am Ende sprechen die Anwälte

Bei der wohl letzten Hauptversammlung von T-Online ist der Ton zwischen Aktionärsvertretern und der Telekom härter geworden. Der mögliche Prestigeverlust ist für beide Seiten inzwischen hoch.

KÖLN. Draußen vor der Mehrzweckhalle ist es ein heller, warmer Frühlingstag. Dagegen ist drinnen nicht nur der Innenraum der abgedunkelten Kölnarena düster, sondern auch die Stimmung der angereisten Kleinaktionäre des Internetkonzerns T-Online: „Possenspiel“, „Unverschämtheit“ und „Beschiss“ sind noch die vornehmeren Vokabeln, mit denen die Aktionäre und Aktionärsvertreter ihrem Frust Luft machen.

Jedenfalls äußerlich prallen an Telekom-Chef Kai Uwe Ricke alle Vorwürfe ab, während er auf dem Podium als T-Online-Aufsichtratsvorsitzender die voraussichtlich letzte Hauptversammlung leitet. Erst einen Tag vorher hatten ihn 7 000 Telekom-Aktionäre an derselben Stelle als Telekom-Vorstandschef durch die Mangel gedreht. Dagegen scheinen die wenigen hundert T-Online Aktionäre eine beherrschbare Kulisse.

Dabei hätte Ricke eigentlich allen Grund, sich über die mittlerweile verunglückte Rückintegration von T-Online zumindest magentarot zu ärgern: Schadenersatzklagen, Vorwürfe der Pflichtverletzung, Betrug. Das sind die Geschütze, die Juristen in der Kölnarena auffahren. Denn längst haben bei der Verschmelzung von T-Online mit der Festnetzsparte T-Com auf allen Seiten Anwälte und Richter das Ruder übernommen. Und als neuesten Kniff wollen nun die Anwälte der Aktionärsvertreter eine Sonderprüfung durchführen lassen. Die soll belegen, dass T-Online-Vorstand Rainer Beaujean sowie Vorstände der Telekom in der Vergangenheit gezielt das Geschäft von T-Online negativ beeinflusst haben, um den Konzern billig zurückzukaufen. Dabei berufen sich die Aktionäre auf ein Gutachten des Aktienrechtlers Theodor Baums.

Das dürfte die seit Herbst 2004 angekündigte Verschmelzung von T-Online mit der Festnetzsparte T-Com zwar nicht mehr aufhalten, könnte aber für neuen Ärger vor den Gerichten sorgen. Denn natürlich wird die Telekom als Hauptanteilseigner mit einer Mehrheit von 90 Prozent den Antrag auf Sonderprüfung ablehnen. Die Aktionäre können diese dann per Antrag bei Gericht verlangen.

Nicht nur der Ton zwischen Aktionärsvertretern und der Telekom ist härter geworden, sondern auch der mögliche Prestigeverlust ist für beide Seiten inzwischen hoch.

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