Talentjagd im Silicon Valley Ein Arbeitskampf der anderen Art

Eine Viertel Million Dollar Antrittsgeld, 60 Prozent Gehaltsplus beim Jobwechsel, Aktienpakete. Im Silicon Valley werden Top-Talente mit Gold aufgewogen. Das Hauen und Stechen verleitet auch zu dubiosen Methoden.
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Der Hersteller wird vom Rivalen Jawbone verklagt, weil Mitarbeiter beim Firmenwechsel Geschäftsgeheimnisse mitgenommen haben sollen. Quelle: dpa
Fitbit-Armbänder

Der Hersteller wird vom Rivalen Jawbone verklagt, weil Mitarbeiter beim Firmenwechsel Geschäftsgeheimnisse mitgenommen haben sollen.

(Foto: dpa)

San FranciscoKurz vor dem Börsengang noch mal schnell auf den abfahrenden Zug aufspringen, das kann sich richtig lohnen. So haben vielleicht auch ein paar leitende Angestellte von Jawbone in San Francisco gedacht. Sie räumten kurzerhand ihre Schreibtische leer und wechselten ein paar Blöcke weiter zum Konkurrenten Fitbit. Beide Unternehmen stellen Fitnessarmbänder her, die Daten wie Puls oder Herzschlag ihrer Träger messen und ihnen helfen, per Smartphone ihre Trainingspläne zu optimieren. Der Erfolg der Firmen ist jedoch sehr unterschiedlich. Während Jawbone als 16 Jahre altes Methusalem-Start-Up noch immer kein Geld verdient, steht das acht Jahre alte Fitbit kurz davor, 150 Millionen Dollar an der Börse einzusammeln. Bei den Gründern und den Top-Angestellten dürften die Kassen dann ordentlich klingeln.

Kein Wunder also, der Jawbone den Weggang seiner Top-Angestellten nicht klaglos hinnimmt. Das Unternehmen zieht seinen Konkurrenten vor Gericht und wirft ihm vor, beim Wechsel der Mitarbeiter in böser Absicht nachgeholfen zu haben. Fitbit habe in kürzestem Zeitraum gut ein Drittel aller Jawbone-Angestellten angesprochen, steht in einer Klageschrift, die am Mittwoch im California State Court in San Francisco eingereicht wurde. Dabei sei es darum gegangen, Jawbone „systematisch auszuplündern“.

Mindestens fünf wichtige Angestellte sind wohl der Versuchung erlegen. Zudem sollen sie vor ihrem Weggang noch geheimes Material über die Geschäftspläne und künftigen Produkte von Firmenrechnern geladen und danach versucht haben, ihre Spuren zu vertuschen. Eine Spezialistin hat der Klage zufolge noch an strategischen Planungssitzungen teilgenommen, obwohl sie bereits den neuen Vertrag unterschrieben hatte – dies aber verheimlicht. Später habe sie eingeräumt, auch Unterlagen kopiert zu haben. Das alles trage die Handschrift einer „orchestrierten Aktion“, finden die Kläger, die nach eigenen Angaben mehr als 600 Patente im Bereich tragbarer Technologien angemeldet haben.

Bei diesen Börsengängen würden Investoren Kasse machen
Snapchat
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„Wir haben einen Plan, wie wir das machen werden“: Snapchat-Gründer Evan Spiegel will seine Firma an die Börse bringen. Es könnte der nächste Milliarden-Börsengang aus dem Silicon Valley werden. In den vergangenen Finanzierungsrunden war Snapchat von Investoren nach Medienberichten mit 15 und 19 Milliarden Dollar (13,7 bis 17,5 Mrd Euro) bewertet worden.

Snapdeal
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CEO Kunal Bahl: Sein Unternehmen gehört in Indien zu den größten E-Commerce-Anbietern im Land. Investoren haben sich an dem digitalen Marktplatz (Bekleidung, PCs, Spielzeug, Möbel, Autos) mit 1 Milliarde Euro beteiligt. Das macht Snapdeal zu einem milliardenschweren Startup. Der Unternehmenswert soll bei 2 Milliarden Euro liegen. Business Standard rechnet für 2016/2017 mit einem Börsengang.

Meituan
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Meituan ist Chinas Antwort auf das amerikanische Startup Groupon, das diverse Webseiten mit Rabatt-Angeboten und Restaurant-Reservierungen betreibt. 1 Milliarde Euro hat das Jungunternehmen bei Investoren schon eingesammelt und wird auf einen Unternehmenswert von 6,4 Milliarden Euro geschätzt. Techcrunch berichtet, dass das Startup mit einem IPO noch bis 2017 warten könnte.

(Bild: Screenshot Homepage)

Space-x
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Elon Musk, Gründer des kalifornischen Startups und Tesla-Chef, muss diese Frage oft beantworten: Wann endlich wagt Space-X, die Raketenfirma, die seit 2012 im Auftrag der Nasa Frachtkapseln zur Raumstation ISS fliegt, den Sprung an die Börse? Gegenüber Bloomberg Businessweek soll Musk gesagt haben, er werde mit der Weltraumfirma erst dann an die Börse gehen, wenn er „ganz regelmäßig der Mars anfliegt.“ Nun ja. Investoren – unter anderem auch der US-Suchmaschinengigant Google – pumpten bereits 1 Milliarde Euro in das Jungunternehmen, der Firmenwert wird aktuell auf elf Milliarden Euro geschätzt.

(Bild: Screenshot Homepage)

Pinterest
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Auch die beliebte Social-Media-Plattform für Fotos – Nutzer haben über 30 Milliarden Bilder dort gespeichert – ist bei Investoren angesagt. Das Startup hat gut 1 Milliarden Euro eingesammelt, was den Unternehmenswert bislang auf geschätzt 10,1 Milliarden Euro getrieben hat. Forbes rechnet noch in diesem Jahr mit einem IPO.

Delivery Hero
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Begehrt bei Investoren wie Rocket Internet: Der Online-Lieferdienst Delivery Hero – hierzulande auch bekannt unter Lieferheld. Die Plattform, deren Unternehmenswert mit 1,7 Milliarden Euro beziffert wird, bietet in 24 Ländern die Möglichkeit, Essen in Gaststätten über das Internet zu bestellen und geliefert zu bekommen. Eingenommenes Kapital: 1,1 Milliarden Euro. Auch dieses Berliner Unternehmen rüstet sich laut CEO Niklas Östberg für einen Börsengang. Noch völlig offen sei aber, ob das in diesem Jahr oder erst 2016 geschieht.

(Bild: Screenshot Homepage)

Bloom Energy
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Das kalifornische Startup Bloom Energy entwickelt Mini-Kraftwerke aus Brennstoffzellen, mit denen sich billig und umweltschonend Strom erzeugen lässt. Investoren haben 1,1 Milliarden Euro in die Cleantech-Firma gesteckt, womit der Unternehmenswert bei 2,7 Milliarden Euro liegt. Spekuliert wird in der Szene über einen IPO schon länger – einzig Firmenchef K.R. Sridhar mag sich dazu nicht äußern.

(Bild: Pressefoto)

Fitbit konterte in einer Mitteilung die Vorwürfe, gegen die man sich „mit aller Macht“ wehren werde. Man habe „keine Kenntnis von irgendwelchen internen Unterlagen“ von Jawbone im eigenen Unternehmen. Als „Pionier und Marktführer“ habe man keinen Bedarf an Informationen von „Jawbone oder irgendeiner anderen Firma“. Die Marktforscher von Canalys bescheinigen Fitbit zwar tatsächlich eine Marktführerschaft, schränken aber ein, das gelte für die Zeit „vor der Apple Watch“.

Zudem wächst auch die Zahl der Auslieferungen des preisgünstigen „Mi Band“ von Xiaomi „rapide“ und sichert dem chinesischen Shootingstar der Smartphone-Branche bereits den zweiten Platz. Noch dazu arbeiten Fitbit-Bänder weder mit Googles Androidwear noch mit Apples Health Kit zusammen. In seinen Apple-Stores hat der Gigant aus Cupertino den Vertrieb von Fitbit-Produkten bereits beendet.

Schon Praktikanten bekommen hohe Gehälter
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