Talfahrt der Branche geht zu Ende
Chipindustrie erwartet besseres Geschäft

Die Halbleiterindustrie rechnet in den kommenden Monaten mit einer Belebung. Der Markt werde im zweiten Halbjahr leicht wachsen, sagte gestern Carlo Bozotti, Chef von ST Microelectronics (STM). Europas zweitgrößter Chiphersteller erwartet deshalb im laufenden dritten Quartal ein Umsatzplus im Vergleich zum Vorquartal von bis zu sechs Prozent.

jojo MÜNCHEN. Auch andere große Chiphersteller zeigen wieder vorsichtigen Optimismus. „Die Nachfrage nach Chips, die in großen LCD-Bildschirmen verwendet werden, wird sich im zweiten Halbjahr erholen“, betonte gestern Hiroshi Sato, Finanzchef von NEC Electronics. Für den drittgrößten japanischen Halbleiterhersteller sind die Bildschirmproduzenten neben den Handyanbietern die wichtigsten Kunden.

Für die Chipindustrie ist dieser sanfte Aufschwung wichtig, denn zuletzt liefen die Geschäfte sehr schlecht. So brach der Quartalsgewinn von STM im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 80 Prozent auf 26 Mill. Euro ein. Der Gewinn des koreanischen Wettbewerbers Hynix stürzte um fast zwei Drittel ab. NEC musste sogar einen Verlust von umgerechnet 47 Mill. Euro hinnehmen.

Ein riesiger Preisverfall hat die Gewinne der Firmen aufgezehrt. So sei der Durchschnittspreis der Chips im zweiten Quartal gegenüber dem Jahresbeginn um neun Prozent gefallen, hieß es bei United Microelectronics Corp. (UMC). Für Speicherchips sprach Hynix gestern sogar von einem Minus von einem Fünftel. Zudem standen zuletzt viele Maschinen in den Fabriken still. Die Auslastung lag nach Aussage von UMC bei 65 Prozent. Vor Jahresfrist waren die Werke noch voll ausgelastet.

Nach Ansicht der Industrie hat die Talfahrt jetzt aber ein Ende. Einen Aufschwung wie 2004, als die Industrie um mehr als ein Viertel zulegen konnte, erwartet zwar niemand. Doch ein Plus von vier bis fünf Prozent sei möglich, teilte die Taiwan Semiconductor Manufacturing Corp. mit, der weltgrößte Auftragsfertiger. Die Branche stützt ihre Hoffnung auf eine stärkere Nachfrage ihrer wichtigsten Kunden, den Handybauern und der Computerindustrie. Dort würden die Lager wieder auf ein normales Niveau herunter gefahren, heißt es.

„Das Unternehmen geht davon aus, dass sich am Markt ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage eine daraus resultierende Preisstabilität ergeben werden“, glaubt auch die Infineon, Europas größter Chipproduzent in Bezug auf Speicherchips. Die Preise der so genannten Drams waren im Frühjahr in den Keller gerutscht, erholen sich aber seit einigen Wochen wieder.

Auf bessere Zeiten wollen sich die Halbleiterfirmen jedoch nicht alleine verlassen. So hat STM gestern bestätigt, dass das französisch-italienische Unternehmen nach Partnern für sein Speichergeschäft Ausschau hält. Jüngst war spekuliert worden, STM wolle Teile der Sparte an Hynix abgeben und sich im Gegenzug an den Koreanern beteiligen. Mit seinem Speichergeschäft hat die Firma im ersten Halbjahr viel Geld verloren.

Im ersten Quartal war STM überraschend in die roten Zahlen gerutscht. Deshalb hatte Konzernchef Bozotti einen Umbau angekündigt: Neben einem Abbau von Stellen wurden im letzten Vierteljahr 1 000 Ingenieure versetzt. Die Entwickler arbeiten nun an Projekten, mit denen STM schneller Geld verdienen kann.

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