Tarifeinigung
Telekom-Mitarbeiter müssen zurückstecken

Der monatelange Streik bei der Deutschen Telekom steht vor dem Ende. Nach harten Verhandlungen haben sich die Konzernführung und die Gewerkschaft Verdi auf einen Kompromiss für die Auslagerung von 50 000 Service-Mitarbeitern geeinigt. Auf die Mitarbeiter kommen harte Zeiten zu; die Kunden dagegen dürfen sich freuen.

HB BAD NEUENAHR. Bei den Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr einigten sich sich die Tarifpartner am Mittwoch auf eine Kompromisslösung. Das Einkommensniveau sinke um 6,5 Prozent, sagte Verdi- Verhandlungsführer Lothar Schröder am Mittwochmorgen. Zugleich soll die Arbeitszeit von 34 auf 38 Stunden in der Woche ansteigen. Der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen wird im Gegenzug bis Ende 2012 verlängert.

Die Telekom hatte deutlich höhere Einbußen beim Einkommen von zuletzt 9 Prozent gefordert. Bei der Anhebung der Arbeitszeit setzte sich die Telekom-Führung hingegen mit ihrem letzten Angebot durch. Den Kündigungsschutz bis 2012 hatten die Tarifparteien bereits am Wochenanfang vereinbart. Das ist ein Jahr länger als die Telekom ursprünglich angeboten hatte. Derzeit gilt in der Festnetzsparte ein Kündigungsschutz bis 2008.

Die Telekom will bereits zum 1. Juli 50 000 Mitarbeiter in drei Service-Gesellschaften ausgliedern. Hierdurch sollen Kosten in Höhe von 500 Mill. bis 900 Mill. eingespart und der Service des Unternehmens verbessert werden. „Wir haben den finanziellen Zielkorridor unseres Sparprogramms ordentlich getroffen“, sagte Personalvorstand Thomas Sattelberger. Die Telekom sicherte zu, die neuen konzerneigenen Gesellschaften mindestens bis Ende 2010 nicht zu verkaufen.

Die Börsianer reagierten positiv auf die Einigung, schafft sie doch Klarheit im wochenlangen Gezänk. Die Aktie ging im frühen Handel um 1,4 Prozent nach oben. Sie gehörte damit zu den Favoriten im Dax, der ebenfalls zulegte. „Hauptsache der Streik ist vorbei“, sagte ein Händler in einer ersten Reaktion. Das schiebe die Aktie weiter nach oben.

Samstags wird der Kunde bedient

Eine halbe Stunde der vereinbarten Mehrarbeit ist für Qualifizierung vorgesehen. Von den verbleibenden 3,5 Stunden erwartet sich die Telekom laut Sattelberger „einen kräftigen Produktivitätszuwachs“. Der Samstag wird Regelarbeitszeit. Für die Kunden bedeutet dies, dass er auch am Wochenende vom Service betreut wird.

Die Reduzierung der Gehälter soll aus Mitteln eines eigens dafür gebildeten Topfes, ähnlich einem Sozialplan, über einen Zeitraum von 42 Monaten stufenweise sozialverträglich abgefedert werden. Die Einstiegsgehälter werden gesenkt und liegen künftig zwischen 21 400 und 23 200 Euro pro Jahr.

Die Einigung wurde in der Nacht zum Mittwoch kurz vor 4 Uhr erzielt. Verdi-Mann Schröder sprach von einem Kompromiss, „der gewiss nicht leicht fällt“. Am Nachmittag tritt in Köln die Große Tarifkommission zusammen, um über die erzielte Lösung zu beraten. Abschließend werden die Verdi-Mitglieder in der kommenden Woche in einer Urabstimmung befragt.

Die Tarifparteien hatten vor einer Woche die zwischenzeitlich unterbrochenen Verhandlungen wieder aufgenommen. Seit mehr als fünf Wochen haben täglich bis zu 16 000 Telekom-Mitarbeiter gegen den Umbau gestreikt. Die Arbeitsniederlegungen wurden zwischenzeitlich heruntergefahren und sollen an diesem Freitag ganz eingestellt werden.

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