Tarifkonflikt bei der Deutschen Telekom
Verdi kehrt an Verhandlungstisch zurück

Nach wochenlangen Streiks wegen der geplanten Auslagerung von 50 000 Stellen bei der Deutschen Telekom steht der Tarifkonflikt nun womöglich vor dem entscheidenden Wendepunkt. Die Gewerkschaft Verdi verhandelt nach einem Beschluss der Tarifkommission wieder mit dem Management, das teilte Verdi am Dienstag in Bonn mit.

HB BERLIN/BONN. Es sei erkennbar, dass sich die Telekom nach wochenlangem Streik auf die Gewerkschaft zubewege, sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder. Die Telekom will zum 1. Juli 50 000 Beschäftigte in Service- Gesellschaften ausgliedern, wo diese länger arbeiten und weniger Geld verdienen sollen.

Der neue Personalvorstand Thomas Sattelberger hatte vor einer Woche dem Tarifpartner unter anderem mit einem Erfolgsbonus ein deutlich verbessertes Angebot in Aussicht gestellt. Auch bei der Senkung der Grundgehälter sei noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die Telekom sei in allen Punkten verhandlungsbereit, werde aber von ihrem Konzept nicht abweichen. Verdi teilte mit, in Gesprächen mit der Telekom sei die „Ernsthaftigkeit und Substanz dieser Aussagen“ bestätigt worden.

Die Beratungen der Verdi-Tarifkommission wurden am Dienstag von erneuten Streiks bei der Telekom begleitet. Die Streiks hätten das Nachdenken bei der Telekom beflügelt, sagte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. Bestandteile wie die Bonuszahlung nannte er aber „hochproblematisch“. Verdi wehre sind nach wie vor gegen Eingriffe in die Löhne der Beschäftigten, auch wenn das Unternehmen versuche, dies mit einer Erfolgsbeteiligung schmackhaft zu machen.

Telekom-Chef Rene Obermann verteidigte hingegen abermals die geplanten Einschnitte. Diese seien unvermeidlich, um den Konzern wettbewerbsfähig zu machen. Bis zum Ende der Dekade sollten 4,2 bis 4,7 Mrd. Euro eingespart werden, bekräftigte Obermann. Durch den Personalumbau sollen die Kosten um bis zu 900 Mill. Euro gesenkt werden. Der Bonner Konzern will auch ohne Zustimmung von Verdi T-Service zum 1. Juli gründen.

Obermann bekräftigte zudem sein Interesse an Zukäufen. Im Fokus stehen dabei ausländische Handy-Anbieter wie Orange Niederlande, die die Telekom von France Télécom erwerben will. Das Unternehmen will die Telekom mit ihrer niederländischen Tochter bündeln und darüber die Kosten senken. Auch in anderen Ländern sind vergleichbare Übernahmen denkbar, wie Obermann sagte. Einen Verkauf der amerikanischen Mobilfunktochter schloss er aus. „Wir definieren T-Mobile USA auch in der Zukunft als Kernbereich.“ An der Börse war über eine Veräußerung spekuliert worden, was der Telekom-Aktie Auftrieb verliehen hatte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%