Tarifkonflikt mit Verdi
Bund erhöht Druck auf Obermann

Die Bundesregierung bedrängt Telekom-Chef René Obermann, eine schnelle Lösung im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Verdi zu erreichen. „In den nächsten Tagen sollte möglichst klar sein, wie der Streik der Telekom-Mitarbeiter beendet werden kann“, heißt es aus Regierungskreisen. Gleichzeitig erwartet der Bund aber auch noch etwas anderes.

BERLIN/DÜSSELDORF. Der Bund – mit einem Anteil von 32 Prozent größter Aktionär der Telekom – verlangt, dass auch die angekündigten Sparziele mit der geplanten Umorganisation weitgehend erreicht werden.

Obermann will 50 000 Service-Mitarbeiter der kriselnden Festnetzsparte in neue Einheiten ausgliedern. Dort sollen sie für weniger Geld länger arbeiten. Obermann will dadurch jährlich 500 bis 900 Mill. Euro einsparen. Dafür hat er Rückendeckung aus Berlin: Die Telekom könne nicht nur die Arbeitszeiten verlängern und dafür die Gehälter der Mitarbeiter verschonen, fordert die Regierung. So dürfe ein Kompromiss mit der Gewerkschaft Verdi nicht aussehen. Auch andere Investoren fordern von der Konzernspitze eine deutliche Senkung der Personalkosten. Doch gerade den Griff ins Portemonnaie lehnt Verdi entschieden ab.

Der Streik gilt in Berlin als Nagelprobe für den neuen Telekom-Chef. "Obermann muss diesen Konflikt mit Gesichtswahrung lösen, sonst ist er kaum noch zu halten", heißt es in Regierungskreisen. Noch sei man zuversichtlich, dass Obermann eine Einigung mit den Arbeitnehmern erzielen könne, und halte am Telekom-Chef fest. Denn auch der Bundesregierung ist seine schwierige Situation bewusst. Angesichts des kräftigen allgemeinen Wirtschaftswachstums und milliardenschwerer Dividendenausschüttungen seien Gehaltskürzungen bei den eigenen Mitarbeitern "schwer zu kommunizieren". Dennoch müsse Obermann jetzt "antizyklisch handeln", um die Sanierung des einstigen Staatsunternehmens voranzutreiben, heißt es in Berlin.

Bereits Mitte vergangener Woche hatte sich die Politik aktiv in den Konflikt bei der Telekom eingeschaltet. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte Obermann, Verdi-Chef Frank Bsirske und SPD-Fraktionschef Peter Struck zum Krisengespräch ins Finanzministerium eingeladen. Das mehrstündige Gespräch endete ohne Einigung, wie der Tarifkonflikt gelöst werden kann. am Donnerstag sprach sich auch Struck für ein schnelles Streik-Ende aus: "Alles andere gefährdet die Zukunft des Unternehmens und damit die Zukunft der Arbeitsplätze."

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