Tarifverhandlungen unterbrochen
Tauziehen zwischen Telekom und Verdi geht weiter

Die Tarifverhandlungen zwischen der Telekom und der Gewerkschaft Verdi über den umstrittenen Umbau des Konzerns und die Ausgliederung von 50 000 Service-Mitarbeitern gestalten sich weiter schwierig. Die Gespräche wurden am späten Dienstagabend ergebnislos unterbrochen. Die Verhandlungen würden am Mittwochmorgen fortgesetzt, sagte ein Verdi-Sprecher, ohne sich zum Inhalt der Gespräche zu äußern.

HB MAYSCHOSS. Die Telekom hatte zu Verhandlungsbeginn signalisiert, auf die Gewerkschaft zuzugehen. „Wir sind nach wie vor kompromissbereit“, sagte der kommissarische Telekom-Personalchef Karl-Gerhard Eick der Nachrichtenagentur Reuters im rheinland-pfälzischen Mayschoß. Er kündigte Nachbesserungen in wesentlichen Streitfragen an. Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder drohte mit einem Abbruch der Gespräche, sollte die Telekom ihr Angebot nicht deutlich nachbessern. Ein Streik wäre die Folge.

Eick zeigte sich zuversichtlich, in den wesentlichen Punkten zu einem Kompromiss zu kommen. Umstritten sind vor allem die Pläne zu Gehaltskürzungen bei verlängerter Wochenarbeitszeit. Um die Beschäftigung langfristig zu sichern, führe an der Ausgliederung der Service-Mitarbeiter aus der Festnetzsparte in drei neue konzerneigene Gesellschaften kein Weg vorbei, sagte Eick. Verdi lehnt die Auslagerung ab.

In Verhandlungskreisen hieß es, die Telekom sei Verdi beim Thema Wochenarbeitszeit und Überstunden entgegen gekommen. So sollten die betroffenen Mitarbeiter 38 statt bislang 34 Stunden arbeiten. Auf ein zusätzliches Budget von 100 Arbeitsstunden für arbeitsintensive Zeiten würde die Arbeitgeberseite verzichten, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Der Konzern sei auch bereit, Überstundenkonten einzurichten.

Verdi hatte einen Vorschlag der Telekom, der unter anderem Einkommenseinbußen von zwölf Prozent bei einem verlängerten Kündigungsschutz bis Ende 2010 vorsah, als unannehmbar zurückgewiesen. Die Telekom will die Pläne notfalls auch ohne die Zustimmung der Gewerkschaft zum 1. Juli umsetzen. Mit dem Konzernumbau will sollen bis 2010 die Kosten um 600 bis 900 Millionen Euro jährlich gesenkt werden, um den Konzern wettbewerbsfähiger zu machen.

„Die Gräben sind tief“

Weniger zuversichtlich als Eick zeigte sich Verdi-Verhandlungsführer Schröder vor Beginn der Gespräche. „Die Verhandlungen sind relativ festgefahren, die Gräben sind tief.“ Der Abbruch der Verhandlungen sei immer eine Alternative, wenn sich die Parteien inhaltlich nicht aufeinander zubewegten, sagte Schröder, der auch im Aufsichtsrat der Telekom sitzt. Die Gewerkschaft treffe Vorbereitungen für eine Urabstimmung. Die Wut unter den Mitarbeitern sei groß, die Streikbereitschaft ebenfalls.

Verdi habe die Telekom ultimativ aufgefordert, über einen umfassenden tariflichen Schutz für die betroffenen Mitarbeiter zu verhandeln, sagte Schröder. Wenn die Beschäftigten in neue Gesellschaften gedrängt würden, müssten ihre Arbeitsbedingungen gesichert, die Standorte geschützt und mittelfristig Kündigungsschutz gewährleistet sein, sagte Schröder. Es sei für die Beschäftigten unzumutbar, die Gehälter zu kürzen und zugleich die Arbeitszeit zu verlängern. Die Ausgliederung sei nicht notwendig, um den Service der Telekom zu verbessern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%