Tausende Arbeitnehmer betroffen
Telekom plant drastische Einschnitte bei Call-Centern

Die Deutsche Telekom plant deutliche Einschnitte bei ihren derzeit rund 60 deutschen Call-Centern. Der Konzern will dem Magazin "Focus" zufolge nahezu jedes zweite deutsche Call-Center schließen. Branchenkenner rechnen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa mit Stellenstreichungen. Der Umfang könne aber noch nicht abgeschätzt werden.

dpa BONN/MÜNCHEN. Die Telekom bestätigte am Sonntag , dass sie zur Kostensenkung kleine Call-Center-Standorte aufgeben will. Entlassungen soll es aber nicht geben, erläuterte ein Konzernsprecher am Sonntag. "Wir werden in die Modernisierung der Service-Center investieren und kleinere Standorte in größere überführen." Davon seien einige tausend Mitarbeiter betroffen. Ihnen sollen gleichwertige Arbeitsplatzangebote gemacht werden - was allerdings mit einem Umzug verbunden sein könnte. Eine Verlagerung ins Ausland werde es nicht geben, sagte der Sprecher. Details werde die Telekom im Laufe der Woche bekannt geben. Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi stieß das Vorgehen der Telekom auf scharfe Kritik.

Telekom-Chef René Obermann fährt einen strikten Sparkurs und forciert den Umbau des Unternehmens. Personalvorstand Thomas Sattelberger hatte vor geraumer Zeit angekündigt, Mitarbeiter etwa in der Buchhaltung und in Call-Centern an weniger, aber größeren Standorten bündeln zu wollen, um die Arbeitskosten weiter zu senken. Damit will die Telekom wettbewerbsfähiger werden. Auch soll die Verwaltung schlanker aufgestellt werden. Zudem sollen die Telekom-Beamten verstärkt an Bund, Länder und Kommunen ausgeliehen oder dauerhaft eingesetzt werden und mit Neueinstellungen eine Überalterung der Belegschaft verhindert werden.

Insgesamt beschäftigt die Deutsche Telekom in Deutschland rund 150 000 Mitarbeiter. In seinem Heimatmarkt steht der Konzern stark unter Druck.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte die geplanten Einschnitte scharf. "Offensichtlich fährt die Telekom weiterhin einen Kurs gegen ihre eigenen Mitarbeiter. Der Vorstand sollte jetzt alle Fakten auf den Tisch legen", sagte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder, zugleich Vize-Aufsichtsratschef der Telekom, am Sonntag der Finanznachrichtenagentur dpa-afx. Er bemängelte, dass die Arbeitnehmervertreter nicht informiert worden seien.

Der "Focus" berichtet, Obermann habe bereits die Bürgermeister in den betroffenen Städten informieren lassen, wo hunderte Arbeitsplätze wegfallen würden. Nach Berechnungen des Bonner Konzerns ließen sich nur noch Call-Center mit 400 bis 500 Mitarbeitern wirtschaftlich betreiben. Allein in Nordrhein-Westfalen sollen demnach von neun Call-Centern nur noch fünf übrigbleiben, die Standorte Köln und Mönchengladbach würden geschlossen. Die Telekom verfügt dagegen nach eigenen Angaben in Nordrhein-Westfalen über Call-Center in 14 Städten. Weiteres wurde nicht dazu gesagt.

Der Telekom-Sprecher erklärte, Einzelheiten könnten noch nicht genannt werden. Klar sei, dass zunächst die Sozialpartner unterrichtet und an den Standorten Gespräche geführt würden.

Bundesweit hat die Telekom Call-Center in 60 Städten und beschäftigt 18 000 Menschen im Kundenservice. Für die Call-Center gilt ein Verkaufsschutz bis Ende 2010 und ein Kündigungsschutz bis Ende 2012.

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