Tech-Konzerne gegen Trump „Wir dürfen diesen Hass nicht erlauben“

Apple-Chef Tim Cook rückt mit einem emotionalen Brief an seine Mitarbeiter von US-Präsident Trump ab. Wie der iPhone-Hersteller positionieren sich viele Tech-Konzerne gegen die neue Rechte – und ergreifen Maßnahmen.
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Tim Cook (links) bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump (Mitte) im Weißen Haus. Unter den weiteren Gästen war auch Microsoft-Boss Satya Nadella. Quelle: AP
Tech-Größen und der US-Präsident

Tim Cook (links) bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump (Mitte) im Weißen Haus. Unter den weiteren Gästen war auch Microsoft-Boss Satya Nadella.

(Foto: AP)

DüsseldorfDie Ereignisse der vergangenen Tage haben Apple-Chef Tim Cook tief getroffen: Charlottesville. Brennende Fackeln. Ultrarechte, die „Juden werden uns nicht ersetzen“ rufen. Ein Auto rast in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Menschen liegen blutend auf der Straße. Schreie. Eine junge Frau stirbt. Ein US-Präsident, der sich nicht klar gegen die Rechten positioniert, sondern den Gegendemonstranten eine Mitschuld gibt. Zweimal.

Was in Charlottesville passiert sei, habe keinen Platz in ihrem Land, schrieb Cook daraufhin am Mittwoch in einen Brief an seine Mitarbeiter. Hass sei Krebs und zerstöre unkontrolliert alles in seinem Weg. Die Geschichte habe das wieder und wieder gezeigt, sowohl in den USA als auch in anderen Ländern rund um die Welt.

Dabei positioniert er sich deutlich gegen Donald Trump. Er stimme dem US-Präsidenten und anderen nicht zu, die glaubten, dass es moralisch keinen Unterschied gebe zwischen rechten Gruppen und Nazis sowie denen, die sich ihnen entgegenstellten und für Menschenrechte einträten. „Die beiden gleichzusetzen läuft unseren Idealen als Amerikaner entgegen“, schreibt er in dem Brief, den zuerst das US-Onlinemagazin Recode veröffentlichte.

Auch Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan Chase, schickte nach der schlagzeilenträchtigen Pressekonferenz von Trump am Dienstag eine Nachricht an seine Mitarbeiter. Er stimme Trumps Reaktion ausdrücklich nicht zu, schrieb er: „Es gibt hier keinen Raum für Zweideutigkeiten: Die Bösartigkeit, die diese Hass-Täter gezeigt haben, sollte verurteilt werden, und hat keinen Platz in einem Land, das seine Stärke aus Menschlichkeit und Vielfalt zieht.“

Mit ihrer klaren Positionierung folgen die beiden Bosse anderen Unternehmenschefs, die sich schon gegen Trump gestellt haben. Seit dem Wochenende haben unter anderem die Chefs des US-Pharma-Unternehmens Merck & Co, des IT-Giganten Intel und des Industriekonzerns 3M die Zusammenarbeit mit dem Präsidenten beendet. Der hatte einigen daraufhin in der Pressekonferenz am Dienstag vorgeworfen, sie würden zu viel im Ausland produzieren, ohne Namen zu nennen. Er habe ihnen wiederholt erklären müssen, sie sollten die Produktion ins Inland verlagern.

Am Mittwoch gab Trump dann auf Twitter bekannt, er habe die Arbeit des Strategieforums und des Industrierates beendet. Er habe den Schritt vollzogen, „anstatt Druck auf die Geschäftsleute auszuüben“. Das Strategieforum selbst erklärte, „der Präsident und wir“ hätten die Auflösung beschlossen. In der Mitteilung hieß es, der Streit über die Mitgliedschaft in dem Gremium lenke inzwischen von dessen Zielen ab. „In diesem Land haben Intoleranz Rassismus und Gewalt absolut keinen Platz.“ An den US-Finanzmärkten lastete die Nachricht auf den Aktienkursen und dem Dollar.

Diese Berater kehren Trump den Rücken
Kenneth Frazier
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Der Chef des amerikanischen Pharmakonzerns Merck & Co. (nicht zu verwechseln mit der deutschen Firma Merck in Darmstadt) ist als Berater von Trump zurückgetreten. Der Afroamerikaner Frazier hatte seinen Rückzug via Twitter begründet: „Ich fühle mich verantwortlich, Stellung gegen Intoleranz und Extremismus zu beziehen.“ Trump reagierte beleidigt und attackierte den Merck-Chef und das Unternehmen auf Twitter scharf. Der Pharma-Manager habe nun mehr Zeit, die Wucherpreise für Medikamente zu senken.

Brian Krzanich
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Der CEO des Chipherstellers Intel begründete seinen Rückzug aus dem Gremium, das Trump in Industriefragen berät, auf Twitter: „Ich trete zurück, weil ich Fortschritte machen möchte, während viele Leute in Washingtonmehr damit beschäftigt zu sein scheinen, jeden zu attackieren, der nicht mit ihnen übereinstimmt.“

Kevin Plank
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Der Chef des Sportbekleidungsherstellers Under Armour teilte nach seinem Rückzug aus dem Beratergremium auf Twitter mit, dass er „sein Land und seine Firma liebe“ und sich nun ganz auf „die inspirierende und vereinende Kraft des Sports“ konzentrieren wolle.

Bob Iger
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Der Chef des uramerikanischen Unterhaltungskonzerns Walt Disney ist im vergangenen Juni als Trumps Berater zurückgetreten, weil er aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen ist.

Elon Musk
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Auch der Tesla-Chef ist bei Trump ausgestiegen, weil er mit der Klimapolitik des republikanischen Präsidenten alles andere als einverstanden ist. Für den Chef eines Unternehmens, das erfolgreich Elektroautos produziert, gehört sich das wohl auch. Musk zog sich damals sowohl aus dem „American Manufacturing Council“ als auch aus einem in allgemeinen Wirtschaftsfragen beratenden Gremium, dem „Business Advisory Council“, zurück.

Travis Kalanick
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Der ehemalige Chef des Fahrdienstes Uber verließ das Weiße Haus aus Protest bereits im Februar, noch bevor er als Chef des Fahrdienstes zurücktrat. Zur Begründung sagte Kalanick, seine Teilnahme sei falsch verstanden worden und nicht als Unterstützung von Präsident Trump oder seiner Agenda gemeint gewesen.

Richard Trumka
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Aus Verärgerung über den erneuten Rückfall Trumps in der Nacht auf Dienstag trat Gewerkschaftschef Richard Trumka kurz nach der Pressekonferenz des Präsidenten aus einem Beirat zurück. Trump hatte seine uneindeutige erste Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville vehement verteidigt und erneut beiden Seiten die Schuld gegeben. Er müsse „im Namen aller arbeitenden Amerikaner, die jeden Versuch der Legitimierung dieser bigotten Grupppen ablehnen“, zurücktreten, sagte der Chef der Gewerkschaft AFL-CIO.

Auch fernab des politischen Parketts positionierten sich US-Unternehmen in den vergangenen Tagen gegen rechts. Der Ferienwohnungsvermittler Airbnb hatte bereits vor dem Aufmarsch in Charlottesville das Nutzerkonto von rechten Teilnehmern gelöscht. Facebook schloss rechtsextreme Gruppen und löschte Links zu einem Artikel auf der rechten Website „Daily Stormer“. Der Bezahldienst Paypal ließ wissen, dass er „Hass, Gewalt und rassistische Intoleranz“ nicht fördern wolle. Organisationen wie der Ku-Klux-Klan und Nazigruppen sollen darüber keine Zahlungen abwickeln können.

Der Webhoster Godaddy und Google warfen den „Daily Stormer” heraus und kündigten an, die Website nicht mehr auf ihren Servern zu speichern. Selbst das Portal Reddit schloss ein Forum, in der Nutzer rechte Gewalt verherrlichten – das ist deshalb bemerkenswert, weil es sonst auch extremen Positionen eine Plattform bietet und in der rechten Alt-Right-Szene beliebt ist.

Auch die Macht der Konzerne ist begrenzt
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20 Kommentare zu "Tech-Konzerne gegen Trump: „Wir dürfen diesen Hass nicht erlauben“"

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  • Den ist besser, Herr Erbsenzähler. Ich halte es mit Grass, die Schreibe an sich ist das Werk.

  • Herr Peter Spiegel - 17.08.2017, 18:26 Uhr
    Lesen bildet alter Erbsenzähler
    Der oder das Primat der Politik
    -------------
    Da schau her, der oder das. Und nicht den (wie in Ihrem Kommentar um 17:27 Uhr an, Sie Deutschverdreher. So lernen Sie noch etwas vom alten Erbsenzähler.

  • Lesen bildet alter Erbsenzähler
    Der oder das Primat der Politik (lat. primatus ‚Vorrang‘[1]) ist in der Politikwissenschaft die Vorrangstellung der Politik vor anderen Gesellschaftsbereichen wie dem Militär oder der Wirtschaft.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Primat_der_Politik

  • Herr Peter Spiegel - 17.08.2017, 17:27 Uhr
    Herr Trump setzt den Primat der Politik um.
    -------
    den Primat???????????????

  • Dieser Cookie ist ein ganz typischer Vertreter des Establishments. Er hat durch den gesellschaftlichen Schwenk nach rechts nur etwas zu verlieren und nichts mehr zu gewinnen. Folglich wird er pampig und liefert damit ungewollt eine Bestätigung für den Kurs Trumps.


    @ Herr Kersey
    <<Ein paar Generationen später wird er nur noch eine lustige Anekdote sein.>>

    Sie haben das immerhin schon zu Lebzeiten erreicht!

  • @Berger
    Sie gehen von der irrigen Annahme aus, dass in den USA nur rechtsextreme Rassisten bewaffnet sind. Es gibt ausreichend Demokraten und andere liberale Kräfte im Land, die ebenfalls über mehr als genug Waffen verfügen und sich ihrer Haut gegenüber den weißen Spinnern der White Supremacy zu wehren wissen. Natürlich wäre das Gejammere auf Seiten seiner Wähler erst mal groß, wenn Trump das Ende seiner Amtszeit nicht erlebt. Aber ich würde den Mann und seine Bedeutung nicht überschätzen. Ein paar Generationen später wird er nur noch eine lustige Anekdote sein.

  • Herr Trump setzt den Primat der Politik um. Die Absahner und Steuerhinterzieher
    haben dabei nichts mehr zu suchen. Ein Vorbild für die EU-Loser die leider mit Gangstern im Bett liegen, wie jeden Tag selbst in den System-Medien steht.

  • @ Herr Paul Kersey17.08.2017, 14:50 Uhr

    Zwar wurde Trump von den Bürgern gewählt, ob und wie lange er noch im Amt bleibt, liegt und lag jedoch nicht in den Händen seiner Wähler. Trump ist Präsident von Gnaden des "Systems", bestehend aus den Republikanern, der Wirtschaftsbosse und den mächtigen Behören, angefangen vom Weißen Haus über FBI, CIA etc. Wenn die den Daumen senken, war es das mit Trump. Darüber scheint er sich noch nicht ganz klar zu sein.
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    Der Daumen könnte beim Absenken vielleicht "abgeschossen" werden und um das Risiko zu vermeiden, muss der tiefe Staat eine Wählergruppe gegen Mr. Trump aufbringen : Die bewaffneten RECHTEN, die Mr. Trump gewählt haben und Mr. Trump ist sich bewust, dass seine Präsidentschaft schnell enden kann, wenn er diese Gruppe für Gewalttätigkeiten massivst verantwortlich macht und gegen sich aufbringt. Nur aus diesem Grunde erfolgte sein "abschwächender" Kommentar der Ereignisse in Charlotteville,
    Fazit : Mr. Trump scheint sich zur gefügigen Präsidenten-Marionette nicht zu eignen und die Frage, die sich seinen Widersachern stellt, ist : Wie können wir diesen Type "ausschalten" ??????? Er hat zuviel Geld, sein Schwiegersohn ist Jude, die Russland-Geschichte bringt keine Ergebnisse, seine Weibergeschichten sind medial "ausgereizt", kein Korruptionsskandal in Sicht. Was tun, bevor ihn die absehbar erfolgreiche Beendigung der Nordkorea-Krise unangreifbar macht ?

  • Also Kritik in diesem Punkt absolut Korrekt von den Prominenten und Firmenbossen.
    Schade, dass Trump beleidigte Leberwurst spielt und gleich trotzig die ganzen Gremien auflöst.

  • Naja einen Unterschied gibt es ja doch.
    Wenn man sieht, dass da mit Fackeln und Hitlergruß und lauten Hassparolen marschiert wird und Leute in Tarnuniformen und mit Waffen dabei sind, dann ist das nicht lustig.
    Und wenn eine Gegendemo, von der ich keine "Hoch lebe Stalin rufe" vernommen habe, sich in den Weg setzt, dann ist das schon noch etwas anderes. Habe noch keine Videos von linken Schlägertrupps mit Waffen usw aus den USA gesehen....
    Aus meiner Sicht gabe es da wohl doch ein Ungleichgewicht. Grad wenn solch verbotene Organisationen, wie Ku Klux Clan usw. dabei sind. Darin vermute ich jetzt keine "anständigen" Leute, sorry.

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