Technische Probleme
Analysten fürchten neuen Rückschlag für Nokia

Fehler gefunden, Fehler behoben - So schien es zunächst beim N8, dem neuesten Flagschiff des Handyherstellers Nokia. Der finnische Konzern hält die jüngsten technischen Probleme beim Top-Smartphone für überschaubar. Doch Analysten aus dem Hause Fitch sahen das anders und stuften die langfristige Bonität herunter.
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STOCKHOLM. Die schlechten Nachrichten für den angeschlagenen Handy-Weltmarktführer reißen nicht ab: Sinkende Marktanteile, verschlafene Trends und nun auch noch technische Probleme bei dem Gerät, mit dem Nokia wieder zurück auf den Erfolgsweg wollte. Der Hoffnungsträger N8, so räumte Nokia nach Beschwerden enttäuschter Käufer in Helsinki ein, schaltet sich bisweilen ab oder lässt sich nicht mehr aktivieren.

Nokias Verkaufschef Niklas Savander betonte, dass man die Ursache für den Fehler gefunden und gelöst habe. Es sei "nur eine kleine Anzahl" von Geräten betroffen, versicherte er ohne eine genaue Zahl der schadhaften Geräte zu nennen. Betroffene Käufer würden im Rahmen der Garantie Ersatz erhalten. Analysten in Helsinki und Stockholm gehen davon aus, dass das ganze Ausmaß des Produktionsfehlers vermutlich noch gar nicht überschaubar sei, da sich noch nicht alle Käufer eines fehlerhaften Gerätes bei Nokia gemeldet hätten. Die Aktie sank in Helsinki um 1,3 Prozent.

Der multimediale Alleskönner N8 war nach mehreren Verzögerungen erst im vergangenen Monat auf den Markt gekommen. In das Smartphone setzt der finnische Konzern große Hoffnungen, den Abstand zu Apples iPhone und den auf dem Google-Betriebssystem Android basierenden Smartphones wieder verkürzen zu können.

Das Stromversorgungsproblem beim N8 ist nicht der einzige Rückschlag für den einstigen Branchenprimus. Kürzlich hatte die Ratingagentur Fitch die langfristige Bonitätseinstufung von bislang "A-" auf jetzt "BBB+" gesenkt. Der Ausblick sei negativ, teilte Fitch mit. Grund für die Herabstufung seien die Herausforderungen, denen sich der finnische Konzern gegenüber sieht.

Seit über einem Jahr kämpft Nokia mit Gegenwind. Obwohl die Finnen noch immer fast jedes dritte auf der Welt verkaufte Handy produzieren, schrumpft der Marktanteil stetig. Experten rechnen damit, dass er in diesem Jahr von zuvor 38 auf 28 Prozent sinken wird.

Marktanteil schrumpft

Nokia hatte viel zu spät auf den enormen Erfolg von Apples iPhone reagiert. Als der finnische Konzern dann endlich auch ein Smartphone mit berührungsempfindlichen Bildschirm im Programm hatte, spielte das in die Jahre gekommene Betriebssystem Symbian nicht so mit, wie es die Kunden erwarteten. Erst in diesem Jahr hat Nokia eine neue Version seines Betriebssystems vorgestellt. 2011 will der Konzern die ersten Handys mit dem zusammen mit dem Chip-Hersteller Intel entwickelten System MeeGo bringen.

Neben den Problemen im eigenen Haus bereitet den Finnen auch ihr Engagement beim Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) Kummer. Der Netzhersteller leidet unter der starken chinesischen Konkurrenz von Huawei und ZTE. Erstmals erklärte NSN-Finanzchef Joe Kaeser am vergangenen Freitag, dass ein Börsengang mittelfristig denkbar sei. Der Münchener Siemens-Konzern hatte schon vorher seine Bereitschaft signalisiert, NSN an die Börse zu bringen. Kurzfristig, so Kaeser, sei das aber nicht geplant.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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