Teldafax-Prozess: Wie das Handelsblatt den Teldafax-Skandal aufdeckte

Teldafax-Prozess
Wie das Handelsblatt den Teldafax-Skandal aufdeckte

Heute hat der Prozess gegen die ehemaligen Manager des 2011 Pleite gegangenen Billigstromanbieters Teldafax begonnen. Das Handelsblatt hatte das Schneeballsystem nach monatelanger Recherche ans Licht gebracht.
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BonnAls das Theaterspiel vorbei war, als auch der letzte Vorstand das Handtuch geworfen hatte und der Insolvenzverwalter Biner Bähr zum ersten Mal die Tür zur Zentrale des Billigstromanbieters in Troisdorf öffnete, zeigte sich Teldafax als das, was es wirklich war: das blanke Chaos. Stapelweise stauten sich ungeöffnete Kundenbeschwerden in den Fluren. Meterhoch türmten sich ungelesene Faxe auf den Schreibtischen. Der Kassenbestand lag bei null. Teldafax war ein potemkinsches Dorf mitten im Rheinland. Kurz nach dem Insolvenzverwalter kam die Staatsanwaltschaft.

Die Frage war: Warum so spät? Acht Monate lang hatten wir als Redakteure des Handelsblattes in zahlreichen Artikeln beschrieben, dass Teldafax das größte kriminelle Schneeballsystem war, das in Deutschland existierte. Normalerweise ist eine Zeitung zurückhaltend mit solchen Begriffen. Es gilt die Unschuldsvermutung, niemand darf vorverurteilt werden. In diesem Fall allerdings standen Täter und Opfer quasi mitten im Scheinwerferlicht.

Während sich die Vorstände monatlich 17.000 Euro netto auszahlten, unterhielten sie sich in Mails darüber, dass die Firma ja eigentlich schon insolvent war. Hunderttausende von Kunden waren mit ihren Vorkasse-Zahlungen in einem System gefangen, dessen Drahtzieher jegliche Skrupel verloren hatten.

Weil wir genau dies aufschrieben, wurden wir für die Teldafax-Führung zur Zielscheibe. Der Begriff „Lügenpresse“ fiel zwar nicht, doch genau das warf der Billigstromanbieter uns vor. Das Handelsblatt würde die Unwahrheit über Teldafax verbreiten – und sei Teil dunkler Machenschaften. Teldafax verklagte das Handelsblatt. Und verlor. Seit Januar 2011 durften wir Teldafax mit richterlichem Segen als Schneeballsystem bezeichnen. Nur änderte dies auch nichts daran, dass dieses System noch ein halbes Jahr ungestört von der Staatsgewalt weiterlief – bis es schließlich unter dem eigenen Gewicht zusammenbrach. Teldafax hinterließ 700.000 Kunden – und laut Insolvenzverwalter einen Schaden von 500 Millionen Euro.

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Den Managern drohen mehrjährige Haftstrafen

Kommentare zu " Teldafax-Prozess: Wie das Handelsblatt den Teldafax-Skandal aufdeckte"

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  • So können Sie das nicht sehen!

    Ist Ihnen etwa bekannt geworden, dass die NRW-Behörden im Ausland hätten eine CD, auf denen die Arbeit der Finanzbeamten bereits hätten kaufen können?

    Die Sachlage ist hier schon etwas anders. Sie greifen direkte deutsche Versäumnisse auf und die Dienstaufsicht an. Da kommen Sie nicht weiter. Es gilt das Prinzip der Krähe - Sie wissen schon.

  • Das i-Tüpfelchen wäre gewesen, wenn Verantwortliche des Finanzamtes mit auf der Anklagebank gesessen hätten, denn eine einzige, kurzzeitig angeordnete Steuerprüfung hätte die Unregelmäßigkeiten und die Zustände aufgedeckt. Lieber schläft man in Ämtern den Schlaf der Gerechten und arbeitet danach die "Vorgänge" im Stapel von oben nach unten ab. Keine Organisation nach Wichtigkeit und keine Übersicht über ihre "Kunden". Reine Zahlenverarbeitung, die frei Haus geliefert werden müssen. Auch wenn man diese Zustände in den Ämtern nicht bestrafen kann, sollten wenigstens die Bezüge, insbesondere der verantwortlichen Vorgesetzten, stark herabgesetzt werden. Markt-und Kundenkenntnisse sind unabdingbar, um seine Aufgaben gut zu erledigen, mangelhaft entspricht nicht den Bezügen und Pensionen!

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