Telefónica übernimmt
Hansenet steht unmittelbar vor dem Verkauf

Die lange Käufersuche der Telecom Italia für den deutschen Beitbandanbieters Hansenet nähert sich ihrem Ende. Schon am Donnerstag könnte die spanische Telefónica endgültig den Zuschlag erhalten. Bisher war das Unterfangen am Kaufpreis gescheitert. Nun könnte Schwung in die prognostizierte Konsolidierung des Marktes geraten.

MADRID/MAILAND/DÜSSELDORF. Der Verkauf des deutschen Breitbandanbieters Hansenet an die spanische Telefónica steht kurz bevor. Aus Kreisen der Hansenet-Mutter Telecom Italia ist zu hören, dass die Unterschrift unter eine Absichtserklärung schon bis Donnerstag erfolgen könnte. Dann tagt das Board von Telecom Italia. Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, haben sich Vertreter beider Unternehmen sehr häufig in Madrid und Mailand getroffen, was auf eine baldige Entscheidung hindeute.

Mit einem Verkauf würde die seit fast elf Monaten andauernde Suche nach einem Käufer endlich beendet. "Damit könnte sich Hansenet endlich wieder auf Kundensuche begeben. Das Unternehmen befindet sich seit Monaten in einer Starre", sagte ein Branchenkenner.

Bislang ist der Deal am Preis gescheitert. Aus dem Umfeld von Telecom Italia heißt es, man habe Anfang Oktober eine Offerte von Telefónica abgelehnt, weil sie mit 850 Mio. Euro zu niedrig gewesen sei. Die Italiener wollten eine Milliarde Euro. Weder Telecom Italia noch Telefónica wollten sich dazu äußern. Offiziell sagt Telecom Italia lediglich, Hansenet bis Ende des Jahres verkaufen zu wollen.

Mit dem Verkauf dürfte auch die lange erwartete Konsolidierung des deutschen Breitbandmarktes Fahrt aufnehmen. Viele Experten erwarten, dass der Verkauf von Hansenet weitere Übernahmen nach sich ziehen wird. So könnte Vodafone, das sich ebenfalls für das Unternehmen interessiert hat, unter Zugzwang geraten und verstärkt alternative Übernahmen angehen. Auch United Internet hat Branchenangaben zufolge ein Angebot für Hansenet abgegeben.

Die Tochter von Telecom Italia ist das attraktivste Ziel auf dem überbesetzten deutschen Markt. Mit zehn Prozent Marktanteil ist Hansenet mit der Marke Alice der viertgrößte Anbieter von DSL-Anschlüssen hinter der Deutschen Telekom, United Internet und Vodafone. Telefónica wiederum könnte Hansenet für sein Deutschlandgeschäft dringend gebrauchen. Denn die Spanier haben in Deutschland ein gut ausgebautes Festnetz - aber so gut wie keine Kunden. Diese würden sie von Hansenet bekommen und damit auf einen Schlag zu einem relevanten Spieler werden.

Telefónicas CEO Julio Linares hatte am Freitag in Sevilla erklärt, die Verhandlungen über den Kauf Hansenets befänden sich "in der Endphase". Allerdings sei das "meistens auch die Phase, in der man am ehesten stecken bleibt und am meisten Zeit braucht", fügte Linares hinzu. Doch mittlerweile hält man es auch in Kreisen von Telefónica für wahrscheinlich, dass es innerhalb weniger Tage zu einer Entscheidung kommt.

Bei Telecom Italia ist indes auch zu hören, dass das Board am Donnerstag nicht nur über Kaufangebote entscheidet, sondern auch über die Alternative: ein Szenario ohne Verkauf der deutschen Tochter. Die Italiener wollen nochmals durchrechnen, was passieren würde, wenn der Konzern Hansenet aus eigener Kraft weiterbetriebe. Hintergrund könnte die Kritik von Aktionären an dem geplanten Verkauf sein. Sie monieren, dass Telecom Italia ohne die Tochter keine Wachstumsoptionen mehr habe.

Insider halten es trotzdem für unwahrscheinlich, dass der Verkauf noch abgesagt wird. Zum einen benötigt Telecom Italia das Geld, zum anderen haben die Italiener nicht genug Mittel, um mit Hansenet aktiv an der anstehenden Konsolidierung im deutschen Breitbandmarkt mitzuwirken. Ein Alleingang sei deshalb nicht besonders vielversprechend. Die Investoren haben den Hansenet-Verkauf gestern bereits gefeiert und den Aktienkurs um mehr zehn Prozent nach oben schießen lassen.

Sollten die Spanier den Zuschlag erhalten, würde Hansenet an den Hauptaktionär von Telecom Italia gehen. Schließlich istTelefónica ist mit 42,3 Prozent der größte Aktionär der Telco-Holding, die wiederum Telecom Italia mit knapp einem Fünftel der Aktien kontrolliert. Daneben halten Die anderen Aktionäre sindder Versicherer Generali sowie die Banken Mediobanca und Intesa Sanpaolo Anteile. Die Benetton Familie hat sich dagegen vergangene Woche aus der Holding verabschiedet.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
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Katharina Kort
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Sandra Louven
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