Telefonanbieter
Selbstmordserie erschüttert France Télécom

Nach einer Selbstmordwelle setzt der französische Telefonanbieter France Télécom seine Umstrukturierungspläne vorübergehend aus. Das Projekt soll bis Ende Oktober auf Eis gelegt werden. In der Zwischenzeit würden die Bedingungen am Arbeitsplatz untersucht, kündigte Télécom-Personalchef Olivier Barberot an. Er habe alle Betriebsärzte um Mithilfe gebeten.

PARIS. Zuletzt sprang am Freitag Abend eine 32-jährige Angestellte in Paris aus dem Fenster eines Télécom-Gebäudes. In den letzten 18 Monaten hat es damit nach Gewerkschaftsangaben bei France Télécom insgesamt 23 Selbstmorde gegeben, allein sieben in diesem Sommer. Nach einem weiteren Selbstmordversuch vor einigen Tagen war die Konzernleitung aktiv geworden. Ein Störungstechniker, der wegen des Konzernumbaus auf einen anderen Posten wechseln sollte, rammte sich vor Kollegen ein Messer in den Unterleib.

Danach protestierten Tausende von Angestellten gegen die Arbeitsbedingungen und trugen dabei Spruchbänder mit der Aufschrift „Terror-Management“. Mitte Juli hatte sich ein 51-jähriger Angestellter in Marseille umgebracht und in seinem Abschiedsbrief „Überarbeitung“ und „Terror-Management“ als Gründe genannt. Schon seit langem hatten die Gewerkschaften den Stress und die Management-Methoden für die Selbstmorde im Unternehmen verantwortlich gemacht.

Der Konzern, der in Frankreich mehr als 100 000 Mitarbeiter beschäftigt, will die Kosten senken und Posten einsparen. Durch die geplante Neuorganisation werden Mitarbeiter gezwungen umzuziehen, um ihren Arbeitsplatz zu behalten. Gewerkschaftsvertreter Sébastien Crozier von CFE-CGC-Unsa erklärte deshalb: „Es muss Schluss sein mit den Zwangsversetzungen.“ Die Konzernspitze will zunächst bis Ende Oktober auf Versetzungen verzichten, um die Vorfälle zu untersuchen. Von den Versetzungen wären in der nächsten Zeit 500 Beschäftigte betroffen gewesen. Seit zehn Jahren hat sich das Unternehmen mit einem Umsatz von 53,5 Mrd. Euro stark gewandelt. Die Verkaufsziele und damit der Druck auf die Angestellten sind gestiegen. Ständig gab es Neustrukturierungen, Innerhalb der letzten drei Jahre wurden 22 000 Posten gestrichen, nur 6 000 Personen neu eingestellt. Mobilität ist seitdem Pflicht und sorgte für zusätzlichen Stress in der Belegschaft.

Unterdessen werden Investitionen im Ausland immer wichtiger. Erst kürzlich hatten die Deutsche Telekom und France Télécom bekanntgegeben, ein Joint Venture in Großbritannien zu planen. Schon lange hatte die Deutsche Telekom nach einem Ausweg für ihre kriselnde Mobilfunk-Tochter T-Mobile UK gesucht und hat nun mit France Télécom einen passenden Partner gefunden. Für derartige Auslandsprojekte wird in Frankreich der Rotstift angesetzt.

Die Selbstmordwelle bei France Télécom ist kein Einzelfall: In den vergangenen zwei Jahren erschütterte eine weitere Selbstmord-Serie die französischen Autokonzerne Peugeot und Renault, die sich eine höhere Rentabilität zum Ziel gesetzt hatten. Auch bei den Energiekonzernen EDF und Areva gab es Selbsttötungen. In allen Fällen wurde als wichtiger Grund der Stress am Arbeitsplatz angeführt.

Wirklich nachweisen lässt sich das jedoch nicht. Die betroffenen Unternehmen wiegeln oft mit persönlichen Problemen der Arbeitnehmer als Ursache ab - und richteten Sorgentelefone ein.

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