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19.01.2007 
Sistema will Telecom Italia

Telefonieren auf Russisch

In der Telekombranche herrscht Goldgräberstimmung: Allerdings sind nicht mehr die Konzerne der Industrieländer die treibenden Kräfte, sondern aufstrebende Schwellenländer. Deren Telekomgesellschaften gehen – gepolstert mit üppigen Gewinnen – auf Expansionstour.

Die indischen und russischen Telekom-Konzerne sind auf dem Weg nach Europa. Foto: dpaLupe

Die indischen und russischen Telekom-Konzerne sind auf dem Weg nach Europa. Foto: dpa

HB MOSKAU. Der russische Mischkonzern Sistema hat Interesse an einer Übernahme des Telekomkonzerns Telecom Italia von Pirelli signalisiert. „Wir haben in der Tat Interesse an dem Unternehmen, aber bislang wurde noch nichts vereinbart“, sagte Sistema-Präsident Alexander Gontscharuk der russischen Zeitung „Kommersant“. Um die Telecom Italia ranken sich seit einigen Monaten Übernahmegerüchte.

So prüft Medienberichten auch die indische Hinduja-Gruppe einen Erwerb der Kontrollmehrheit von Telecom Italia. Ebenso hat der Mischkonzern im Rennen um Hutchison Essar, um den sich auch Vodafone bemüht, seinen Hut in den Ring geworfen. Der viertgrößte Mobilfunker Indiens ist mit einer Bewertung von rund 20 Mrd. Dollar fast so viel Wert wie der von Telefonica gekaufte Handyanbieter O2.

Pirelli hält 80 Prozent an Olimpia, die ihrerseits mit 18% an Telecom Italia beteiligt ist. Der Reifenkonzern hatte angekündigt, er wolle einen Teil seines Anteils an Olimpia veräußern. Zu möglichen Gesprächen mit Sistema wollte er laut „Kommersant“ nicht Stellung nehmen.

Mit dem Interesse am Telekommarkt der Industriestaaten stehen die russische Sistema und die indische Hinduja nicht allein da. Auch die Telekomgesellschaften aus anderen Schwellenländern gehen gepolstert mit üppigen Gewinnen auf Expansionstour. Dank ihrer rasant wachsenden Volkswirtschaften weisen die dortigen Unternehmen hohe Zuwachsraten auf. Westliche Schwergewichte wie Telefonica und Vodafone haben daher ihre Position in den Märkten Asiens, Afrikas und Südamerikas durch Akquisitionen gestärkt und wollen weiter zukaufen.

Während sich die westlichen Rivalen vom Strudel der Telekomkrise Anfang des Jahrtausends erholen, wächst das Selbstvertrauen in den Schwellenländern. Das hohe Kundenwachstum spülte den Unternehmen Geld in die Kasse und sie begannen, sich nach Akquisitionszielen umzuschauen: Erst in der direkten Umgebung - so ist der afrikanische Telekommarkt mittlerweile fest in der Hand weniger Spieler - und nun in den Industrieländern. Schwergewichte bleiben von der Entwicklung nicht verschont, wie das Beispiel der Telecom Italia zeigt.

Auch die Deutsche Telekom bekam das neue Selbstvertrauen der emporstrebenden Wettbewerber zu spüren: Der russische Mischkonzern Sistema bemühte sich bereits um einen Einstieg bei Europas größtem Telekomkonzern - allerdings vergeblich.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Telekomfirmen aus Schwellenländern erzielen Traummargen

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