01.08.2005

Im Kampf um Marktanteile macht T-Online-Chef Rainer Beaujean der Konzernschwester T-Com Konkurrenz: Telefonieren zum Nulltarif mit T-Online

Die Telekom-Tochter T-Online steigt in die Sprachtelefonie über das Internet ein. „Wir werden ab morgen Voice over IP zusammen mit neuen DSL-Tarifen in voller Funktionalität vermarkten“, kündigte T-Online-Chef Rainer Beaujean im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

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von Thomas Nonnast und Handelsblatt
Mit Internet-Telefonie will T-Online das große Geld machen. Foto: dpaLupe

Mit Internet-Telefonie will T-Online das große Geld machen. Foto: dpa

HB DARMSTADT. Damit gibt T-Online dem Druck von Konkurrenten wie Freenet und AOL nach, die längst mit einem solchen Angebot auf dem Markt sind. Bislang hatte sich der Darmstädter Internetprovider gegen einen Voice-over-IP-Dienst gesträubt, weil die kostengünstigen Ferngespräche über das World Wide Web die Umsätze der Telekom-Festnetzsparte T-Com gefährden – und damit die der eigenen Konzernschwester.

Entsprechend halbherzig fielen die ersten Schritte in diesem Markt aus. Auf der Computermesse Cebit hatte T-Online eine eigene Software für Internet-Telefonie vorgestellt, im Unterschied zu Wettbewerbern wie 1&1 oder Skype war es aber nicht möglich, T-Online-Kunden unter einer eigenen Telefonnummer anzurufen. Dabei drohte T-Online zuletzt eine stürmische Marktentwicklung zu verschlafen. Marktforscher bei IDC gehen davon aus, dass in Europa die Zahl der Sprachanschlüsse über Breitband-Internet innerhalb von sechs Jahren von drei auf 22 Mill. sprunghaft steigen wird.

Jetzt reagiert die Telekom-Tochter mit einem Paukenschlag: Zum Start der neuen Tarife erhalten 3,5 Millionen T-Online-DSL-Kunden zwischen 120 und 400 Freiminuten für Gespräche innerhalb des deutschen Festnetzes. Für jede weitere Minute ins deutsche Festnetz verlangt T-Online 2,9 Cent. Internet-Telefonate zwischen T-Online-DSL-Kunden sind unbeschränkt gebührenfrei. In Kürze will T-Online auch Videotelefonie über das Internet einführen. Zugleich kündigte Beaujean ein „aggressiveres“ Auftreten von T-Online an: „Der Preiskampf ist alles andere als vorbei“, sagte er.

Auf Grund des heftigen Preiskampfes hat T-Online bereits die Umsatz- und Ergebnisziele für 2005 gesenkt. Auch im Bereich Geschäftskunden reagiert die Telekom auf den rapiden DSL-Preisverfall mit massiven Preissenkungen. T-Systems reduzierte den Preis für die DSL-Pauschaltarife T-DSL Business 1000 und 2000 ab September von 19,90 Euro auf 5,90. Das entspricht einer Preissenkung von 70 Prozent.

Für Privatkunden sind die Preise für den günstigsten DSL-Pauschaltarif innerhalb von zwei Jahren von 30 Euro auf fünf Euro gerutscht. „Das Ziel von T-Online ist es aber auch weiterhin, nicht der billigste Anbieter zu sein, sondern die Marktführerschaft mit einem Anteil von mindestens 50 Prozent der DSL-Neukunden zu sichern“, so Beaujean.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: T-Online schießt gegen Arcor und Co.

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