Telefonkonzern SBC kauft AT&T
Milliardendeals in den USA beflügeln Übernahmephantasie

Mit zwei Milliarden-Übernahmen hat die Fusionswelle in den USA gestern weiter an Fahrt gewonnen. Der Telekomanbieter SBC kaufte für 16 Mrd. Dollar den Konkurrenten AT&T, und der Versicherer Metlife will für 11,5 Mrd. Dollar die Lebensversicherungssparte Travelers von der Citigroup übernehmen.

tor NEW YORK. Damit hat das Volumen von Übernahmen und Fusionen (M&A) allein im Januar fast 130 Mrd. Dollar erreicht. Zuletzt gab es das vor fünf Jahren, als AOL den Medienkonzern Time Warner schluckte. Die Börse reagierte positiv. Der Dow-Jones-Index stieg zu Handelsbeginn innerhalb von Minuten um mehr als 70 Punkte auf fast 10 500 Zähler.

Mit der Übernahme von AT&T durch SBC entsteht ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 71 Mrd. Dollar. SBC ist derzeit die Nummer zwei der Branche in den USA und schließt durch den Kauf von AT&T zum Marktführer Verizon auf. AT&T kämpft zwar mit Verlusten, ist aber noch immer Marktführer im Segment der Ferngespräche.

Durch den Kauf der Citigroup-Versicherungstochter Travelers durch Metlife würde der größte Versicherer in Nordamerika entstehen. Die Citigroup selbst kündigte an, sie werde einen Teil der Einnahmen für Zukäufe nutzen.

Damit ist der Boden für weitere Fusionen bereitet. Erst in der vergangenen Woche hatte der Konsumgütermulti Procter & Gamble angekündigt, er werde den weltgrößten Rasierprodukt- und Batterieanbieter Gillette für 57 Mrd. Dollar kaufen. Nachdem die US-Unternehmen jahrelang damit beschäftigt waren, Kosten und Arbeitsplätze abzubauen sowie ihre Bilanzen von Schulden zu befreien, schwenken sie jetzt wieder auf einen Expansionskurs um. Die Rosskuren der jüngsten Vergangenheit haben die Kriegskassen der Firmen gut gefüllt. So verfügten die US-Unternehmen zum Jahreswechsel über kurzfristig liquide Mittel von 4,7 Billionen Dollar. Steigende Aktienkurse geben ihnen zusätzlich eine attraktive Akquisitionswährung in die Hand.

Entscheidend aber ist, dass die US-Manager wieder Mut haben, die mit Übernahmen verbundenen Risiken einzugehen. „Die Übernahmeaktivität gründet sich zum großen Teil auf Psychologie“, sagte Rodgin Cohen von der Anwaltskanzlei Sullivan & Cohen dem Wall Street Journal. „Wenn die Leute sich gut fühlen, führt das in der Regel zu mehr Transaktionen.“ Das Wohlbefinden der Manager gründet sich zum einen darauf, dass die Furcht vor Terroranschlägen das Wirtschaftsleben nicht mehr dominiert. Zum anderen sind die Konjunkturaussichten in den USA positiv. Nach einem Wachstum von 4,4 Prozent 2004 rechnen die Ökonomen 2005 mit einem Zuwachs von deutlich über drei Prozent.

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