Telegate und Varetis hoffen auf erhebliche Einsparungen und neue Geschäfte
Auskunfts-Dienstleister verspüren Rückenwind durch EuGH-Urteil

Jubel herrscht bei den Telekom-Konkurrenten Telegate AG und Varetis AG. Die beiden börsennotierten Auskunfts-Dienstleister können ihre Kosten nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) künftig um mehrere Millionen Euro im Jahr senken.

jojo MÜNCHEN. „Damit wird nicht nur unser Gewinn steigen, es bieten sich auch ganz neue Geschäftsmöglichkeiten“, sagte Klaus Harisch, Vorstandschef von Varetis, dem Handelsblatt.

Der EuGH hatte vergangenen Donnerstag entschieden, dass Telefonunternehmen bei der Weitergabe von Daten ihrer Kunden nur die tatsächlich dafür entstandenen Kosten berechnen dürfen. Für Telegate und Varetis heißt das: Sie müssen künftig wesentlich weniger an die Deutsche Telekom AG bezahlen als die neun Cent, die sie bislang jedesmal überweisen, wenn sie auf einen Datensatz zurück greifen.

Die Telegate AG geht davon aus, dass sie dadurch jährlich zwei Millionen Euro weniger ausgeben muss. Das Münchener Unternehmen bietet seine Telefon-Auskunftsdienste in Deutschland unter der Nummer 11880 an.

Varetis spricht von einem einstelligen Millionenbetrag, den die Firma spart, und der voll in den Gewinn fließen wird. „Theoretisch entstehen jetzt Kosten, die nicht höher als die für eine CD-Rom sind“, sagt Harisch. Varetis liefert Software für die Auskunftsanbieter und hat seit kurzem mit Go Yellow einen eigenen Branchen-Auskunftsdienst im Internet. Zudem hat die Firma jüngst einen Auskunftsdienstleister übernommen. Harisch führt heute Varetis. Er hatte aber Mitte der neunziger Jahre Telegate gegründet und kämpft seither vor Gericht, um die Datenpreise zu senken.

Das EuGH-Urteil geht auf einen Streit zwischen der niederländischen KPN Telecom und einem ihrer Konkurrenten zurück. Nach dem Richterspruch sind nun deutsche Gerichte und die Regulierungsbehörde gefordert. Telegate prüfe derzeit, ob Geld von der Deutschen Telekom zurück gefordert werden könne, sagte eine Sprecherin.

Nach Ansicht von Harisch können die Telekom-Konkurrenten die Telefonauskunft nun auch im Internet anbieten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Bislang bot diesen Service nur die Telekom an, und das unentgeltlich. Für die Wettbewerber war der Markt uninteressant, weil sie von den Nutzern kein Geld kassieren konnten, gleichzeitig aber für jede Auskunft neun Cent zahlen mussten. Bei niedrigeren Beträgen könnte sich das Angebot durch Werbung finanzieren.

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