Telekom-Affäre
Obermann verschleppt Aufklärung

Ermittler des Bundeskriminalamts sind davon überzeugt, dass Telekom-Chef René Obermann bei der internen Aufklärung der Spitzelaffäre nur halbherzig vorging. Hatte er Angst vor Klaus Zumwinkel? Manches spricht dafür.

DÜSSELDORF. Für jeden x-beliebigen Mitarbeiter auf mittlerer Ebene eines Dax-Konzerns wäre das ein Traum: Man hat im Dienst das Gesetz gebrochen, in gutem Willen womöglich, aber sich dennoch strafbar gemacht. Doch die höchsten Chefs setzen sich für einen ein. Schongang statt Rauswurf.

Klaus-Dieter Trzeschan ist genau das passiert. Im Jahr 2005 ist Trzeschan Leiter einer kleinen Ermittlertruppe in der Abteilung Konzernsicherheit der Deutschen Telekom. Ein Mann mit akkuratem Seitenscheitel und dicken Brillengläsern, der vom Ruhestand in Florida träumt. Trzeschan gilt als loyal und vertrauenswürdig, ein Mann für heikle Fälle. Mehr als vier Jahrzehnte hat er für Bundespost und Telekom AG gearbeitet. Heute ist er eine der Schlüsselfiguren in der Spitzelaffäre, die den Bonner Konzern seit einem Jahr erschüttert.

Irgendwann im Jahr 2005 schießt der brave Beamte übers Ziel hinaus. Im Auftrag der Konzernführung soll er rausbekommen, wer im Telekom-Aufsichtsrat interne Informationen an die Presse weitergibt.

Trzeschan ermittelt: Er besorgt Verbindungsdaten von Mobiltelefonen und lässt sie von einer externen Firma auswerten – das ist illegal. Seine Chefs halten dennoch die Hand über ihn – was die Ermittler des Bundeskriminalamts heute sehr wundert.

Als Trzeschans Vergehen im Sommer 2007 zufällig ans Licht kommt, gibt sich dessen oberster Chef René Obermann, damals seit einem Dreivierteljahr Vorstandsvorsitzender des T-Konzerns, sanft: Man wolle die wirtschaftliche Existenz von Herrn Trzeschan keinesfalls vernichten, ihn brechen oder seine Pension gefährden.

Dabei hat Trzeschan offenbar gegen den Datenschutz und das Fernmeldegeheimnis verstoßen. Der eilfertige Ermittler setzt damit das wichtigste Kapital der Telekom aufs Spiel, das Vertrauen der Kunden.

Obermann lässt zwar intern ermitteln, es gibt ein Disziplinarverfahren gegen Trzeschan. Aber der Telekom-Chef nimmt es offenbar in Kauf, dass sehr viele Fragen unbeantwortet bleiben. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundeskriminalamt (BKA), das seit fast einem Jahr für die Staatsanwaltschaft Bonn gegen Trzeschan ermittelt.

Das BKA kommt zu dem Schluss, dass Umfang und Ergebnis der internen Ermittlungen bei der Telekom unvollständig sind. Man habe keine Konsequenzen daraus gezogen, dass Trzeschan wichtige Dinge unaufgeklärt gelassen habe. Dies geht aus den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.

Zwar sollen Aufsichtsratschef Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke, Obermanns Vorgänger als Telekom-Chef, die Spitzeleien angestiftet haben. Dennoch bringt die Bewertung der Ermittler Obermann in Bedrängnis. Der Telekom-Chef hat versprochen, die Schnüffelaffäre „lückenlos aufzuklären“. Wiederholt hat er versichert, „alles getan“ zu haben, um die Spitzeleien zu durchleuchten und eine Wiederholung zu vermeiden.

Nur: Nach Analyse der 7500 Seiten starken Ermittlungsakten ergibt sich für die Ermittler ein etwas anderes Bild – das eines allzu zahmen Ermittlers. Sein Name: René Obermann.

Es ist ein Sommertag im Jahr 2007, als sich ein Mitarbeiter an Obermann wendet. Er bittet um ein persönliches Gespräch, doch der Chef ist noch im Urlaub. Obermann kennt den Mann, weil der ihn gelegentlich als Sicherheitsbeamter zu Firmenveranstaltungen begleitet hat. Als Obermann den Mitarbeiter Mitte August empfängt, offenbart der ihm eine heikle Angelegenheit: Beschäftigte der Konzernsicherheit hätten Verbindungen zu einem Journalisten ausspioniert – und zwar mit Hilfe der illegalen Auswertung von Verbindungsdaten von Mobiltelefonen. Obermann ist alarmiert, auch weil er, ehe er im November 2007 Konzernchef wurde, die Mobilfunksparte der Telekom führte.

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