Telekom-Aktien
Der Tag, an dem Blackstone kam

Es war der 24. April 2006, der für die Deutsche Telekom das Ende der heilen Welt einläutete. An dem Tag gab die bundeseigene KfW Bankengruppe bekannt, dass sie 4,5 Prozent ihrer Telekom-Anteile an den amerikanischen Finanzinvestor Blackstone verkauft hat. Seitdem geht es bei der Telekom drunter und drüber, gelten plötzlich andere Gesetze.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. Blackstone macht als zweitgrößter Aktionär nach dem Bund mächtig Druck auf die Deutsche Telekom – vor allem hinter den Kulissen. Telekom-Mitarbeiter berichten, das Leben auf den Vorstandsfluren an der Bonner Friedrich-Ebert-Allee sei wesentlich hektischer geworden. Kein Wunder – schließlich geht es nicht nur um die richtige Strategie, sondern auch um Köpfe.

Seit Monaten schon halten sich Gerüchte, der Aufsichtsrat werde den Vertrag von Konzernchef Kai-Uwe Ricke womöglich nicht verlängern. Nach Informationen des Handelsblatts sollen die Amerikaner in Berlin Rickes Ablösung gefordert haben. Pikant ist auch ein anderes personelles Detail: Die russische Sistema, die mit einem größeren Telekom-Paket liebäugelt, wird ebenso wie Blackstone von Ex-Telekom-Chef Ron Sommer beraten.

Beobachter meinen, Blackstone erfülle genau die Rolle, die sich der Bund ausgedacht hat. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen hat sich Berlin für die Amerikaner entschieden, um neue Ideen in den Aufsichtsrat einzubringen. Der Blackstone-Vertreter soll seinen Kontrolleurs-Kollegen vor Augen führen, wohin sich die Branche bewegt, welche Strategien andere Ex-Monopolisten verfolgen und wo die Telekom im internationalen Vergleich steht.

An den Bund haben sich aber die Amerikaner herangerobbt. Anfang des Jahres hat Blackstone in New York Kontakt zu Finanzminister Peer Steinbrück aufgenommen, als der in Big Apple seine Finanzpolitik erläuterte. Dabei kam es zu einem Treffen zwischen Steinbrück und Blackstone-Chef Stephen Schwarzman. Der Minister habe deutlich gemacht, dass höchstens ein Paket von rund fünf Prozent in Frage komme, erinnern sich Beteiligte an den Gesprächen. Sie bekräftigen auch, dass es keine Nebenabreden gegeben habe.

Zwar tauchte noch ein zweites Private-Equity-Haus auf, das ebenfalls an der Telekom interessiert war, aber nach einem kurzen „Beauty Contest“ ausschied. Danach ging die Regie an die KfW über, die Teile ihrer Telekom-Aktien verkaufte.

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