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09.06.2008 
Überwachung

Telekom-Bespitzelungsaffäre alarmiert BND

von Rüdiger Scheidges

Die Spitzelaffäre bei der Telekom sorgt für erhebliche Unruhe beim Bundesnachrichtendienst (BND) und beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Die Weitergabe von Telefondaten an die Berliner Sicherheitsfirma Network Deutschland weckt in Geheimdienstkreisen die Befürchtung, auch ausländische Spione könnten sich relativ leicht sensibles Material bei dem Bonner Konzern besorgen. Es sei „nicht zu fassen“, dass die Telekom Verbindungsdaten nach außen gegeben habe.

BND-Chef Ernst Uhrlau ist wegen der Telekom-Affäre beunruhigt. Foto: apLupe

BND-Chef Ernst Uhrlau ist wegen der Telekom-Affäre beunruhigt. Foto: ap

BERLIN. BND, Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst haben nach dem sogenannten G-10-Gesetz das Recht, zur „Abwehr von drohenden Gefahren“ für die äußere und innere Sicherheit auf Telekom-Daten zurückzugreifen. Die Dienste sind deshalb nach den Worten eines Insiders besonders auf „engste und vertrauensvollste Beziehungen“ zu dem Konzern angewiesen. So hört der BND beispielsweise zur Terrorabwehr mit Hilfe der Telekom Gespräche nach bestimmten Suchbegriffen ab. Das Vertrauen in die Zusammenarbeit mit dem Konzern sei nun jedoch erschüttert: „Wer will garantieren, dass nicht höchst sensible Daten über die Telefonverbindungen, die der BND über die Telekom nutzt, ins Ausland gegangen sind?“ fragt ein Geheimdienstler besorgt.

Network Deutschland war nach Recherchen des Handelsblatts im Auftrag der Deutschen Telekom damit beschäftigt, die Telefondaten von Aufsichtsräten des Konzerns und Journalisten abzugleichen. Die Unternehmensspitze wollte so den Urhebern von fortlaufenden Indiskretionen in den Medien auf die Spur kommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit zwei Wochen in dieser Affäre.

Die Geheimdienste beobachten besorgt die hohe Professionalität, mit der Spezialisten von Network Deutschland vorgehen. Das Unternehmen war nicht nur für die Telekom im Einsatz, sondern auch für die Deutsche Bahn. Der BND schließt selbst „eindeutig und definitiv“ eigene Verbindungen zu Network Deutschland aus. In den vergangenen Tagen waren Gerüchte hochgekommen, die Berliner Firma arbeite auch mit Geheimdiensten zusammen.

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