Telekom-Bespitzelungsaffäre
Obermann reagiert auf Druck aus der Politik

Telekom-Chef René Obermann demonstriert in der Spitzelaffäre Entschlossenheit. Zu deren Aufklärung holt er den Datenschutzexperten und ehemaligen Bundesgerichtshof-Richter Gerhard Schäfer ins Unternehmen. Zuvor hatte die Unions-Fraktion Obermann massiv unter Druck gesetzt.

BERLIN. „Die Bundesregierung erwartet, dass Herr Obermann ohne Rücksicht auf das Ansehen der Personen den Spitzel-Skandal rückhaltlos aufklärt“, hatte Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach dem Handelsblatt am Freitag gesagt. Der Innenpolitik-Experte der CDU fürchtet, dass die Bespitzelungsaffäre nicht nur einen „immensen Imageschaden“ für die Deutsche Telekom verursacht, sondern Deutschland insgesamt in einem schlechten Licht dastehe. „Das Ausmaß des Bespitzelungsskandals bei der Telekom ist wahrscheinlich größer als das der Spiegel-Affäre.“

Obermann reagiert jetzt mit Schäfers Verpflichtung. Dieser soll als unabhängiger Fachmann für die Telekom ein neues Sicherheitskonzept erarbeiten. Darauf haben sich Obermann und Schäfer am Freitag in Berlin verständigt. Schäfer soll den Vorstand der Telekom „unmittelbar unterrichten“, teilte die Telekom mit. Zusammen mit dem Vorstandsbeauftragten der Konzernsicherheit, dem ehemaligen Vizechef des Bundeskriminalamts Reinhard Rupprecht, soll er nach Angaben des Konzerns „die Telekom- internen Untersuchungen zum missbräuchlichen Zugriff auf Telefon- Verbindungsdaten prüfen“.

Wie Schäfer auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz zusammen mit Obermann mitteilte, wolle er einen eigenen Stab einrichten und sich „ein Bild über die Sachlage“ verschaffen. Er wolle ein Datensicherheitskonzept für die Deutsche Telekom entwickeln und dieses bis zur Einführung begleiten. Zunächst wolle er nach Schwachstellen im System suchen. Er kenne die Vorwürfe bisher nur aus Presseveröffentlichungen, sagte Schäfer.

Schäfer war unter anderem 2006 als Sachverständiger des Parlamentarischen Kontrollgremiums tätig, mit dem die Bespitzelung von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst (BND) aufgearbeitet werden sollte.

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