Telekom-Bespitzelungsaffäre
Obermanns Aufklärung mit erheblichen Lücken

"Lückenlos", hat Telekom-Chef René Obermann gelobt, will er die Spitzelaffäre aufklären. Hätte er damit früher begonnen, wären seine Schwüre glaubwürdiger.

BONN. René Obermann weiß: Über Skandale, die lange vor sich hin köcheln, sind immer wieder Vorstandschefs gestolpert, selbst wenn sie für Rechtsverstöße gar nicht verantwortlich waren - wie 2007 der damalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld.

So ist es verständlich, dass Obermann die Spitzelaffäre, die die Deutsche Telekom Ende Mai erschütterte, am liebsten so rasch wie möglich zu den Akten legen würde. Die Telekom hat zugegeben, 2005 und 2006 Telefongesprächsdaten missbraucht zu haben. Mitarbeiter des Konzerns wollten diejenigen finden, die Unternehmensinterna ausgeplaudert hatten.

Auslöser für Obermanns Beichte war ein Fax des Unternehmers Ralph Kühn und seiner Berliner Firma Network Deutschland, der die Telekom mit seinem Wissen über die Spitzelaufträge erpresst hatte. Das Schreiben landete beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Als die Sache herauskam, gab Telekomchef Obermann zu, was zuzugeben war. Und er legte öffentlich die Hand aufs Herz und gelobte, die Spitzeleien "lückenlos" aufzuklären. "Wir werden alles tun, um zur Aufklärung der Vorfälle beizutragen - ohne Ansehen von Rang und Namen", sagte Obermann Ende Mai. Und versicherte kurz darauf: "Es war ein Einzelfall, und wir haben alles getan, um eine Wiederholung zu vermeiden."

"Alles getan"? "Lückenlos" aufklären? Nach Aussagen einiger an der Affäre beteiligter Konzerninsider wies die Aufklärung Obermanns von Beginn der Affäre an erhebliche Lücken auf: "Die wollten gar nicht mehr Details wissen, sondern haben nur das Allernotwendigste getan", sagt einer. Man habe sich mit simplen Erklärungen zufriedengegeben, statt der Affäre auf den Grund zu gehen. Auch Corporate-Governance-Experten wundern sich über Obermanns Vorgehen.

Folgende Fakten werfen einen Schatten auf Obermanns selbst gewählte Rolle als entschlossener Aufklärer im Spitzelskandal: Zentrale Konzernabteilungen wie die Revision ließ der Telekomchef bei der internen Recherche, die im August 2007 begann, außen vor. Schuldige Mitarbeiter - der Bruch des Fernmeldegeheimnisses wird mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft - wurden nicht dem Staatsanwalt überstellt, sondern nur beurlaubt oder abgefunden. Einige arbeiten gar nach wie vor bei der Telekom. Die Rolle des damaligen Aufsichtsratvorsitzenden Klaus Zumwinkel, der die Bespitzelungen nach Aussage eines Telekom-Mitarbeiters in Auftrag gab und sich mehrfach persönlich über den Fortgang informieren ließ, hat Obermann offenbar nicht geklärt. Und sogar Rechnungen der Spähfirma Network ließ er noch begleichen, als er bereits wusste, dass deren Dienstleistungen in mindestens einem Fall rechtswidrig waren.

Den Telekom-Chef machen solche Vorwürfe rasend. Er sei schließlich sofort aktiv geworden, als er von den Machenschaften erfuhr, sagt er. Er habe die Konzernsicherheit umgebaut und den Ex- Staatsanwalt Reinhard Rupprecht als Kontrolleur geholt: "Es ist meine Pflicht als Vorstandsvorsitzender, dafür zu sorgen, dass solche Vorfälle sich nicht wiederholen können", sagte Obermann dem Handelsblatt im Gespräch über sein Vorgehen in der Affäre.

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