Der Telekom laufen die Festnetz-Kunden weg, die Mitarbeiter drohen mit Streik und der Gewinn bricht ein. Und dennoch lässt sich Konzernchef René Obermann seinen Optimismus nicht nehmen. Er sieht sein Unternehmen auf gutem Weg. Die Zahlen aus der Zwischenbilanz sprechen allerdings eine andere Sprache.
HB BONN. „Von den für 2007 geplanten 2 Mrd. Euro haben wir aktuell rund 1,1 Mrd. Euro mit Maßnahmen unterlegt“, sagte Obermann am Donnerstag in Bonn bei Vorlage der Zahlen zum ersten Geschäftsquartal. Für die ersten drei Monate habe die Telekom 400 Mill. Euro geringere Kosten verbucht. Das Sparprogramm werde sich im Verlauf des Jahres weiter positiv auf das Betriebsergebnis auswirken, das 2007 – bereinigt um Sondereffekt – etwa 19 Mrd. Euro erreichen soll. Obermann sieht den Konzern insgesamt auf einem guten Weg, „aber wir werden auch im weiteren Jahresverlauf hart für unseren Erfolg arbeiten müssen“.
Bis Ende kommenden Jahres sollen 32 000 Beschäftigte den Bonner Konzern über Vorruhestand oder Abfindungen verlassen. Rund 3 200 Menschen seien im ersten Quartal gegangen, sagte Obermann. Damit summiere sich die Gesamtzahl der Abgänge bereits auf 15 300. Weitere rund 2 600 Vereinbarungen mit Beschäftigten seien nach Ende des ersten Quartals geschlossen worden.
Obermann mahnt
Angesichts des drohenden Streiks im Konflikt mit Verdi um die Auslagerung von rund 50 000 Mitarbeitern in konzerneigene Service-Gesellschaften mahnte Obermann die Gewerkschaft zum Einlenken. Die Arbeitskosten müssten sinken, um im harten Wettbewerb am deutschen Markt zu bestehen. „Ein Streik nützt niemanden“, sagte Obermann. Der Telekom laufen die Festnetzkunden in Scharen davon, alleine im ersten Quartal 588 000.
Die Telekom verlangt von den 50 000 betroffenen Beschäftigten, für weniger Geld länger zu arbeiten. Sie begründet dies damit, dass der Konzern Gehälter weit über dem Branchendurchschnitt zahle und dadurch nicht wettbewerbsfähig sei. Die Gewerkschaft hatte ein nachgebessertes Angebot abgelehnt und die Mitarbeiter zu einer Urabstimmung aufgerufen. „Die Beteiligung an der Urabstimmung war sehr hoch. Dies zeigt, wie wütend die Mitarbeiter sind“, sagte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. Bei einer ausreichenden Zustimmung zum Streik rechnet er mit einem Beginn der Arbeitsniederlegung bereits an diesem Freitag.
Das Ergebnis der Urabstimmung wird für den Mittag erwartet. Fällt die Entscheidung positiv aus, wäre es der erste Streik bei dem Bonner Unternehmen seit der Privatisierung vor zwölf Jahren.
Weitere Baustelle
Das Festnetzgeschäft ist nicht die einzige Baustelle, die Obermann aufgerissen hat. Bei der Suche nach einem strategischen Partner für ihre Geschäftskundensparte T-Systems ist die Telekom aber einen Schritt vorangekommen. Mit potenziellen Interessenten seien erste Gespräche geführt und eine Liste möglicher Partner erstellt worden, sagte Obermann. Nun werde eine kleinere Zahl von Interessenten ausgesucht, um mit diesen die Gespräche zu intensivieren. „Mit diesem Prozess liegen wir klar im Rahmen unserer zeitlichen Vorstellungen. Wir stehen nicht unter Zeitdruck, aber wir wollen das Thema doch zügig voranbringen.“
T-Systems sucht einen Partner für das Geschäft mit großen Kunden. Die Sparte verbuchte im ersten Quartal im Inland einen Umsatzrückgang von 15,9 Prozent, während die Erlöse im Auslandsgeschäft um 18,4 Prozent zulegten.
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Auch konzernweit war das erste Quartal kein Zuckerschlecken. Der Überschuss brach um mehr als die Hälfte auf 459 Mill. Euro ein. Gründe waren neben dem mauen Telefongeschäft vor allem in Deutschland vor allem höhere Abschreibungen bei den Töchtern Telering in Österreich und PTC in Polen, wie Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick sagte. Bereinigt um Sondereinflüsse ergab sich immer noch ein Minus von 42 Prozent auf 563 Mill. Euro. Nur dank deutlicher Zuwächse im Ausland stieg der Umsatz um 4,1 Prozent auf 15,5 Mrd. Euro.
Problemfall Festnetz
Der Kundenverlust im Inlandsfestnetz beschleunigte sich gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 16,7 Prozent. Die meisten der 588 000 Kündiger wanderten zur Konkurrenz ab. Das zeige die Zahl von 484 000 neu vermieteten Teilnehmeranschussleitungen, erklärte die Telekom. An Mobilfunk- oder Kabelfernsehanbieter seien weitere 104 000 Anschlüsse gegangen. Nach Angaben von Obermann steht die Telekom im Festnetzgeschäft weiterhin unter einem hohen Reformdruck. „In diesem Land herrscht ein gnadenloser Preiskampf“, sagte er.
Positiv entwickelte sich den Angaben zufolge im Inland die Zahl der von der Telekom selbst vermarkteten DSL-Anschlüsse. Sie stieg um 572 000 auf nunmehr über 7,6 Millionen, während die Zahl der von Wettbewerbern weiterverkauften DSL-Anschlüsse nur um 213 000 auf 3,4 Mill. zulegte.
Durchwachsener Mobilfunk
Im Mobilfunk in Deutschland stieg die Kundenzahl bei T-Mobile im ersten Quartal um 5,1 Prozent auf 33 Millionen. Dabei konnte die Telekom fast dreimal so viele Mobilfunk-Kunden für sich gewinnen wie noch vor einem Jahr. Die Erlöse sanken allerdings um 2,6 Prozent bedingt durch den Preiswettbewerb und eine Senkung der Gebühren für die Weiterleitung von Gesprächen aus anderen Netzen. Im gesamten Jahr 2006 waren sie um 4,7 Prozent zurückgegangen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank in den ersten drei Monaten um 11,3 Prozent auf 700 Mill. Euro, belastet durch den niedrigeren Umsatz und höhere Investitionen für die Kundengewinnung.
Insgesamt sank der Inlandsumsatz der Telekom um 5,1 Prozent. Alle Geschäftsfelder zeigten rückläufige Zahlen. Dagegen stieg der Auslandsumsatz um 15,5 Prozent. Speziell das auch schon in der Vergangenheit starke Mobilfunk-Geschäft in den USA legte weiter zu. Mittlerweile macht die Telekom rund die Hälfte ihres Geschäfts jenseits der Grenze.

