Telekom-Chef Obermann im Interview
„Ich gebe nichts auf kurzfristige Höhenflüge“

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kehrt nach fast fünfwöchigen Streiks wieder an den Verhandlungstisch zurück. Dabei ist für Telekom-Chef René Obermann eine Einigung im laufenden Tarifkonflikt von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Unternehmens. Was sonst droht, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Interview im Wortlaut:

Herr Obermann, die Beschäftigten streiken, der Aktienkurs dümpelt vor sich hin. Wann startet die Telekom wieder durch?

Das ist mir zu undifferenziert. Unser internationales Geschäft ist im ersten Quartal um 15 Prozent gewachsen. Im deutschen Mobilfunk liegen wir nicht schlecht, und im DSL-Markt starten wir gerade durch. Richtig ist aber, dass wir im klassischen Festnetz im Inland unter Druck stehen. Hier werden wir in den kommenden Jahren mehrere Milliarden Euro Umsatz verlieren, weil das Geschäft mit der klassischen Festnetztelefonie deutlich zurückgeht. Diese Einbußen werden wir in den kommenden drei Jahren auch nicht voll durch einen Zuwachs im DSL-Geschäft kompensieren können.

Auf dem DSL-Markt haben Sie kürzlich ihre Preise gesenkt - die Wettbewerber haben aber schon nachgezogen. Gehen Sie weitere Preisrunden mit?

Die Wettbewerbsintensität auf dem DSL-Markt ist sehr hoch. Die Telekom geht dabei nicht in die Preisoffensive. Wir können zwar einige Prozente über den Wettbewerbern liegen. Aber wir werden die Konkurrenten preislich nicht weglaufen lassen, sondern weiter an der Stärkung unserer Marktposition arbeiten.

Wenn der Wettbewerb im Inland schon so hart ist - wieso kaufen Sie nicht stärker im Ausland zu?

Wenn es Sinn macht und mit unseren Finanzzielen vereinbar ist, tun wir das. Wir haben 2006 den Mobilfunkanbieter Telering in Österreich gekauft und planen nun, Orange in den Niederlanden zu übernehmen.

Wo liegen ihre Prioritäten im Ausland?

Wir wollen uns zunächst in den Märkten verstärken, in denen wir bereits präsent sind. Das ermöglicht uns, Skaleneffekte zu erzielen und Marktanteile zu gewinnen. An zweiter Stelle denken wir an benachbarte Märkte, weil auch dies Größenvorteile bietet - etwa durch gemeinsamen Einkauf und gemeinsame IT-Plattformen.

Wo gibt es Kaufgelegenheiten?

Der Markt in Europa muss sich konsolidieren. Hier gibt es mehr als 90 Netzbetreiber und knapp 300 Serviceanbieter. Ohne eine Konsolidierung werden gerade kleine Anbieter nur schwer überleben können.

Sie haben im März noch angekündigt, in neue, wachstumsstarke Länder expandieren zu wollen ...

Mittel- bis langfristig können wir uns auch Länder vorstellen, die eine schwach ausgeprägte Telekominfrastruktur besitzen. Ich bin überzeugt, dass der Zugang zum Internet überall auf der Welt die nächste große Entwicklung in der Telekommunikation wird - und das zunehmend mobil.

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