Telekom-Chef Obermann
„Preis für Staatsschulden werden wir noch zahlen“

Die Lage könnte für Rene Obermann zweifellos komfortabler sein. Der Chef der Telekom muss viele Probleme gleichzeitig lösen: Mit dem Handelsblatt sprach Obermann über die Gefahr eines Rückschlags für die Konjunktur, den umstrittenen Verzicht auf Investitionen in den großen Schwellenländern und den schwierigen US-Markt.
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Handelsblatt: Herr Obermann, Ihre Kritiker behaupten, Ihnen fehle eine Vision. Beweisen Sie das Gegenteil. Sagen Sie uns, wie die Telekommunikation in fünf Jahren aussehen wird!

René Obermann: Vernetztes Leben und Arbeiten wird viel selbstverständlicher sein, und das für fast alle Menschen, denn die Bedienung der Kommunikationstechnologie wird immer einfacher. Wir werden Geräte vermehrt per Sprache und viel stärker als bisher mit berühungsempfindlichen Bildschirmen bedienen. Das Internet wird fast überall und in hoher Geschwindigkeit verfügbar sein.

Welche Rolle wird die Telekom spielen?

Wir wollen einer der Weltmarktführer bei Produkten und Dienstleistungen für vernetztes Leben und Arbeiten sein. Der Datenkonsum wird massiv steigen, ebenso die Anforderungen an die Qualität der Netze. Ständig neue Technologien zu integrieren und sie effizient zu betreiben - das ist eine Herausforderung, die nicht viele Unternehmen leisten können. Die Deutsche Telekom kann es.

Viele ihrer Wettbewerber sehen die Zukunft in Schwellenländern. Warum scheuen Sie einen Einstieg dort?

Wir müssen in unseren bestehenden Märkten viel Geld in unsere Netze und Produktentwicklung investieren. Wir sind absoluter Marktführer in Zentraleuropa. Wir wollen unsere Position in Süd- und Osteuropa ausbauen. In Märkten wie Rumänien sind nur schlechte Infrastrukturen vorhanden. Dort kommen erhebliche Investitionsanforderungen, aber auch Wachsumschancen auf uns zu. Ähnliches gilt für die USA und für Deutschland, wo wir die Netze auf die nächste Techonologie-Generation aufrüsten.

Wenn Sie so viel Geld in Ihre bestehenden Netze investieren, nimmt Ihnen das doch den Spielraum.

Es ist sicher nicht einfach, trotz Investitionen einen so hohen Free Cash-Flow zu erwirtschaften, wie es uns derzeit gelingt. Das dritte Quartal war das stärkste, das wir je hatten, mit einem Free Cash-Flow von über drei Mrd. Euro, obwohl wir aufs ganze Jahr gesehen die Investitionen um 20 Prozent gesteigert haben. Unser Schwerpunkt liegt derzeit nicht auf großen und waghalsigen Zukäufen, sondern auf der Entwicklung von Geschäftschancen, die mit Breitbandtechnologie möglich sind.

Also schließen Sie einen Zukauf in Schwellenländern künftig aus?

Alles hat seine Zeit. Hätten wir vor zwei Jahren dem Druck nachgegeben und in Emerging Markets zugekauft, wären wir heute angesichts der Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten. Wir haben es nicht getan, weil wir so viele parallele Herausforderungen hatten. Wir haben uns damals entschlossen, sie zunächst fokussiert abzuarbeiten. Und im Ergebnis haben wir die Wettbewerbsfähigkeit der Telekom in Deutschland und anderen Ländern massiv verbessert.

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  • ich meine, wenn wir Leute wie Obermann als Manager haben, dann haben wir die Richtigen. Meines Erachtens kann man ihm nur Lob aussprechen. Zum Teufel mit dem kurzatmigen Shareholder-Value-Murks und 25% Renditeerwartungen. Stattdessen ist es richtig, langfristig solide zu wirtschaften.Obermann verzichtet auf das bekannte Gefasel, wie supetoll man doch sei, er spricht realistisch, sachlich und nachvollziehbar. Von seiner Sorte bräuchten wir mehr, finde ich.

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