Telekom
Die Baustellen des einstigen Staatskonzerns

Handelsblatt Online zeigt, vor welchen Herausforderungen der ehemalige Staatskonzern steht. Ein Überblick.
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Lange hat Telekom-Chef René Obermann in den USA nach einer Lösung gesucht. Seit 2008 verliert die Mobilfunktochter T-Mobile USA Kunden. Im März dieses Jahres schien die Lösung greifbar nah: Für 39 Milliarden Dollar wollte der US-Rivale AT&T die Telekomtochter kaufen. Jubel in Bonn: AT&T biete 14 Milliarden Dollar mehr, als Analysten erwartet hatten, sagte Obermann.

Für ihn wäre der Verkauf ein Befreiungsschlag und die Krönung seiner Laufbahn. Denn er braucht das Geld aus dem Verkauf dringend, um in den Ausbau der Netze in Deutschland und Europa investieren zu können.

Doch Ende August klagte das amerikanische Justizministerium gegen den Verkauf. Die Behörde, die in den USA für Kartellfragen zuständig ist, sieht den Wettbewerb durch den Zusammenschluss der Nummer zwei und vier des Marktes gefährdet. Am Dienstag dann ordnete die US-Telekommunikationsaufsicht FCC eine strengere Prüfung des Vorhabens an. Nun zogen Telekom und Partner AT&T die Konsequenzen und haben die Verkaufsanträge bei der FCC zurückgezogen. Auf lange Sicht halten die beiden Konzerne nach Angaben von AT&T an dem geplanten Deal fest. Demnach konzentrieren sie sich darauf, zunächst die Zustimmung des Justizministeriums zu erhalten.

Anlass zur Hoffnung für die Telekom geben zwei Punkte: Zum einen hat das Ministerium bereits angedeutet hat, dass es zu Verhandlungen bereit ist. Zum anderen hat die zuständige Richterin Ellen Huvelle vor zehn Jahren in einem anderen Prozess dem US-Justizministerium eine Abfuhr erteilt: Es wollte die Fusion von zwei Unternehmen verhindern, die nach der Zusammenlegung 70 Prozent des Marktes für Informationssicherung nach Computer-Ausfällen beherrschten. Huvelle jedoch entschied: Die Branche ändere sich durch Technologie ständig, neue Wettbewerber kämen auf den Markt – und genehmigte die Fusion.

Die Hängepartie jenseits des Atlantiks muss sich die Telekom auch selbst zuschreiben. Obermann, der das wichtige US-Geschäft zur Chefsache erklärt hatte, hat in den USA zu spät in den Ausbau des Mobilfunknetzes investiert. Das führte dazu, dass die Wettbewerber ihren Kunden schon im Jahr 2008 Internet auf dem Handy angeboten haben, während man im T-Mobile-Netz nur telefonieren konnte.

Inzwischen ist das Netz von T-Mobile USA durch eine neue Technik zwar schneller als das der Rivalen. Aber dieser Vorsprung währt nicht mehr lange. Ohne neue Investitionen gerät die US-Tochter bald wieder ins Hintertreffen, weil die Wettbewerber derzeit schon Netze der vierten Generation bauen, im Fachjargon LTE. Die sind noch viel schneller. Aber auch sehr teuer: Mehrere Milliarden Euro müsste die Telekom dafür in den USA investieren. Das Geld kann und will Obermann nicht ausgeben. Zum einen sieht der Aufsichtsrat es nicht gern, wenn auf dem deutschen Heimatmarkt immer neue Sparprogramme umgesetzt und gleichzeitig Milliarden über den Atlantik transferiert werden. Zum anderen ist selbst dann nicht ausgemacht, dass sich die Lage bessern würde. T-Mobile USA ist der kleinste Anbieter unter drei US-Riesen und hat deshalb eine schwierige Position.

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