Telekom einigt sich mit Vivendi
Ende einer absurden Übernahme

Die Deutsche Telekom erhält nach der Einigung mit Vivendi und Elektrim endlich alle Anteile am polnischen Mobilfunker PTC - nach elf Jahren. Damit geht einer der absurdesten Streits in der Geschichte der Telekom zu Ende.
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DÜSSELDORF. Die Deutsche Telekom hat ihren elf Jahre währenden Rechtsstreits um die Mehrheit am polnischen Mobilfunker Polska Telefonia Cyfrowa (PTC) geklärt. Die Deutschen unterzeichneten mit dem französischen Mischkonzern Vivendi und dem polnischen Versorger Elektrim eine Vereinbarung, die der Telekom 100 Prozent an PTC zuschreibt. Sie zahlt 1,4 Milliarden Euro an Vivendi und Elektrim, die dafür auf alle Ansprüche verzichten.

Polen gilt als attraktiver Wachstumsmarkt. PTC gehört mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten des Jahres zu den drei größten Mobilfunkern des Landes, die alle rund 30 Prozent Marktanteil besitzen.

Die erbittert geführte Auseinandersetzung drehte sich darum, wem wie viele Anteile an der profitablen PTC gehören. Unbestritten war, dass die Telekom 49 Prozent besaß. Elektrim gehörten zunächst 48 Prozent. Vor elf Jahren gründeten der polnische Versorger eine Holding mit Vivendi, in der er die PTC-Anteile einbrachte. Vivendi hielt 51 Prozent an der Holding und zahlte den Polen dafür 1,8 Milliarden Euro. Ein Wiener Schiedsgericht entschied aber im Jahr 2004, dass Elektrim seine PTC-Anteile nicht in die Holding hätte einbringen dürfen, weil die Polen damit gegen ein Vorkaufsrecht der Telekom verstoßen haben. Vivendi gehörten deshalb gar keine PTC-Anteile.

Die Telekom hat daraufhin im Jahr 2006 eine Call-Option eingelöst und mit gerichtlicher Hilfe die umstrittenen 48 Prozent von Elektrim gekauft. Dieser Kauf wurde aber von Vivendi nicht anerkannt.

Zusammen mit einer bereits geleisteten Teilzahlung kauft die Telekom die restlichen 51 Prozent an PTC nun für 2,1 Milliarden Euro. Das entspricht rund dem Vierfachen des erwarteten operativen Gewinns (Ebitda) von PTC für 2010 und liegt unter dem Niveau vergleichbarer Käufe in der Branche.

"Wir sind heilfroh, endlich eine Lösung zu haben", sagte Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges. Auch Vivendi zeigte sich zufrieden, obwohl der Konzern weniger für seinen vermeintlichen PTC-Anteil bekommt, als er einst gezahlt hat. 1,25 Milliarden Euro fließen in die Kasse der Franzosen, die den Wert von PTC in ihren Büchern schon 2006 auf Null reduziert hatten. "Vivendi plant derzeit Zukäufe und kann deshalb das Geld gut gebrauchen", sagte Wolfgang Specht von der WestLB.

50 Verfahren in fünf Ländern

Elektrim dagegen rettet die Einigung: Die Polen hatten im Herbst 2007 Insolvenz beantragt, weil sie weder die Forderung von Vivendi nach Rückzahlung der 1,8 Milliarden Euro noch verschiedene Kredite begleichen konnten, die sie für PTC aufgenommen hatten. Bedingung für die nun gefundene Einigung ist, dass alle Seiten auf ihre Forderungen gegenüber Elektrim verzichten - und den Versorger damit vor der Insolvenz bewahren.

Der Streit um PTC hatte absurde Dimensionen erreicht: Er führte zu mehr als 50 Gerichtsverfahren in fünf Ländern und sorgte für Anwaltskosten in zweistelliger Millionenhöhe. Und er hatte auch handfeste Züge: Mal hinderten französische, mal deutsche Wachmänner die andere Seite daran, das Firmengebäude in Warschau zu betreten.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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