Telekom-Hauptversammlung
Der tatkräftige Tim sucht seine Mission

Es ist eine gelungene Premiere: Tim Höttges heimst bei seiner ersten Hauptversammlung als Telekom-Chef viel Lob ein. Doch jetzt wollen die Anleger wissen, mit welchen Innovationen der Konzern künftig Geld verdienen soll.
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KölnEs war eine Premiere – und doch blieb vieles beim Alten. Tim Höttges hielt bei der Hauptversammlung am Donnerstag seine erste Rede als Chef der Deutschen Telekom. Es sei ein „komisches Gefühl“, nach 13 Jahren im Unternehmen nun als Chef auf der Bühne zu stehen, sagte er in der nur halb gefüllten Lanxess-Arena in Köln. Doch danach klang der Manager vielfach wie sein Vorgänger: Er lobte die eigene Arbeit, forderte weniger Regulierung für den einstigen Monopolisten und skizzierte eine (möglichst von der Telekom) umfassend vernetzte Welt.

Der Auftritt war für den bisherigen Finanzchef angenehm, nicht nur wegen der Beförderung am Jahresanfang. Die Deutsche Telekom hat ein gutes Jahr hinter sich und konnte erstmals seit langem den Umsatz auch aus eigener Kraft leicht steigern. Das Geschäft in Deutschland des Marktführers schrumpfte langsamer, in den USA legte die Tochter T-Mobile US dank des Zusammenschlusses mit Metro PCS und aggressiven Marketings kräftig zu. Das lohnte sich auch für die Aktionäre: Der Kurs stieg deutlich, die Aktienrendite (die sich aus Kursentwicklung und Dividende zusammensetzt) lag bei 56 Prozent.

Die Anleger beurteilten die Entwicklung überwiegend positiv. „Nach Jahren des Stillstands stehen die Zeichen bei der Deutschen Telekom wieder auf Angriff“, sagte etwa Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. „Es ist nicht viel Negatives zu sagen in diesem Jahr“, pflichtete Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) bei. Auch Höttges selbst bekam für seine ersten Monate im Amt prima Noten: „Tim der Tatkräftige würde gut als Überschrift passen“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Tatkraft ist gefragt. Etwa bei der US-Tochter: Wie lange sie noch zum Konzern gehört, ist unklar. Höttges signalisierte die Bereitschaft, sie an den Rivalen Sprint zu verkaufen. Es stünden hohe Investitionen an – „Experten sagen daher, es wäre langfristig die beste Lösung, wenn es neben AT&T und Verizon noch einen dritten großen Anbieter auf dem US-Markt gäbe.“ Entscheidend sei dafür indes die Sicht der Wettbewerbsbehörden. „Kommt es zu einer Marktbereinigung, wäre T-Mobile US dafür gut positioniert.“

Die Anleger waren indes nicht alle überzeugt. Labryga wies auf die hohen Marketingausgaben in den USA hin und forderte Höttges auf, den „Business Case“ vorzurechnen. „Am Ende muss doch der Exit stehen“, meinte Tüngler. „Wie wollen Sie das schaffen?“ Speich bezeichnete dagegen einen Ausstieg auf Raten über den Aktienverkauf als Möglichkeit, falls die Fusion scheitern sollte.

Ein wichtiges Ziel ist die Umstellung des Netzes auf das Internet-Protokoll, durch die eine Steuerung per Software möglich wird. Das soll einerseits den Steuerung erleichtern – mit dem für Kunden positiven Effekt, dass der Umzug eines Anschlusses deutlich einfacher vonstatten gehen soll. Andererseits kann der Konzern so schneller neue Dienstleistungen einführen. Höttges bekräftige das Ziel, die Technologie bis 2018 in ganz Deutschland einzuführen. Bis dahin will er auch die Zahl der Kundenbeschwerden halbieren.

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