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Telekom-Hauptversammlung: „Unser Aktienkurs löst keine Jubelstürme aus“

Wenn René Obermann am Jahresende als Vorstandsvorsitzender der Telekom abtritt, hinterlässt er ein auf Wachstum ausgerichtetes Unternehmen. Nur eines will einfach nicht wachsen: der Aktienkurs.

René Obermann steht auf der Hauptversammlung in Köln zum letzten Mal den Aktionären Rede und Antwort. Quelle: dpa
René Obermann steht auf der Hauptversammlung in Köln zum letzten Mal den Aktionären Rede und Antwort. Quelle: dpa

KölnTelekom-Chef René Obermann hat auf seiner letzten Hauptversammlung den seit Jahren vor sich hindümpelnden Kurs der T-Aktie gerechtfertigt. Wegen der strengen Regulierung sei es der Telekom trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, den drastischen Preisverfall komplett zu kompensieren, sagte der Telekom-Chef am Donnerstag. „Unser Aktienkurs spiegelt die Branchenproblematik wider – er löst keine Jubelstürme aus.“ Die Titel hätten sich unter seiner Führung aber immer noch besser entwickelt als die der europäischen Konkurrenten, führte er aus. Der 50-Jährige gibt Ende des Jahres die Führung des Dax-Konzerns nach sieben Jahren ab. Die Telekom leidet wie ihre Wettbewerber unter den Vorgaben der Regulierer, die seit Jahren niedrige Tarife vorgeben.

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Obermann hatte zu seinem Amtsantritt im November 2006 gesagt, dass seine „Mission gescheitert“ wäre, wenn die T-Aktie „in ein bis zwei Jahren keinen Anschluss an die Kursentwicklung vergleichbarer Konkurrenten“ gefunden habe. Seitdem sackte der Kurs des einst als „Volksaktie“ beworbenen Papiers von Werten um 13,50 Euro auf derzeit 9,85 Euro ab – in diesem Zeitraum ist der Dax um etwa 30 Prozent gestiegen. Auf dem Höhepunkt des Internet-Hypes im März 2000 kostete sie sogar 104,90 Euro.

Q&A zur Tempo-Drosselung der Telekom

  • Für wen gelten die Obergrenzen?

    Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag vom 2. Mai 2013 an abschließen. „Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, verspricht die Telekom. Allerdings dürften auch viele Bestandskunden von der Neuregelung betroffen sein: Weil die Telekom ihr Festnetz auf die IP-Technologie umstellt, müssen Nutzer, weiter einen schnellen Internetanschluss wollen, den Tarif wechseln – und sind dann ebenfalls von der Drosselung betroffen. Greifen soll die Tempo-Bremse zudem frühestens 2016.

  • Wer überschreitet die Datengrenze?

    Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Daten-Obergrenze von 75 Gigabyte, die für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 MBit pro Sekunde gilt. Allerdings nimmt der Videokonsum aus dem Netz rasant zu. Neue TV-Geräte sind Internet-tauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen.

  • Wie weit kommt man mit 75 Gigabyte?

    Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Online-Dienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem Daten-Kontingent.

  • Was ist mit anderen Anbietern?

    Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder das ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusiv-Volumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen „Managed Service“ garantiert. Dienste solcher Partner tasten das Daten-Kontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen.

  • Was passiert nach Ausschöpfung des Volumens?

    Entweder man begnügt sich mit der Vor-DSL-Geschwindigkeit von 387 Kilobit pro Sekunde, mit der man vielleicht E-Mails checken und mit viel Geduld auch im Internet surfen kann. Oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.

  • Gibt es noch eine echte Flatrate?

    Die Telekom betont, weiterhin eine echte Flatrate anzubieten, also einen Tarif ohne jede Begrenzung. Dafür will das Unternehmen 10 bis 20 Euro Aufschlag im Vergleich zu heute verlangen – den genauen Preis legt es erst später fest.

  • Drosseln andere Anbieter auch?

    Telekom-Konkurrent Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit/s erhöht werden könnten.

    Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen, sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert es aber erst ab 60 GB am Tag. Und zum Beispiel bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit/Sekunde.

Aktionärsvertreter gehen mit dem scheidenden Telekom-Chef hart ins Gericht. „Sie wollten eigentlich Wert für die Aktionäre schaffen, doch daraus ist nichts geworden: Während der Dax seit Ihrem Amtsantritt um 30 Prozent gestiegen ist, ist die Telekom-Aktie um 30 Prozent gefallen“, sagte Ingo Speich, Portfoliomanager bei Union Investment, in der Debatte auf der Hauptversammlung. „Ohne Zweifel haben Sie vieles richtig gemacht, zwei Dinge aber kreiden wir Ihnen an: Ihre Dividendenpolitik war verfehlt, Ihr Einstieg bei der griechischen OTE war ein Desaster.“

Deutlich verlässlicher als der Aktienkurs war in den vergangenen Jahren die Dividendenausschüttung der Telekom. Laut Obermann soll sie auch für 2012 bei konstanten 70 Cent je Anteilsschein liegen. Doch künftig könnte auch diese Bastion der Anleger wackeln: Die Telekom prüft, die Dividende auf 50 Cent pro Aktie zu kürzen.

  • 16.05.2013, 15:24 Uhrclaus

    Ich denke die Drosselung der Datenmenge wird bei allen Anbietern eingeführt. Ziel und Zweck ist es das maximale bei geringen Aufwand aus den Kunden herauszuholen. Doch die Rechnung geht nicht auf. Software im Internet, Datenwolken, Spiele , Filme sehen und andere Anwendungen werden dadurch ausgebremst. Untern Strich werden viele Unternehmen dann mit Ihrer Internetphilosophie verlieren und das Gesamtwachstum wird geschädigt. Aber vielleicht will man das auch ?

  • 16.05.2013, 12:07 UhrStinksauer

    Könnten die Telekomiker nicht einfach T-Online mal wieder an die Börse bringen? Könnte man nach ein paar Jahren für 'nen Appel und ein Ei ja wieder einsacken ...ääh... in den Konzern integrieren.

  • 16.05.2013, 11:49 Uhrbtw

    So lange Boards nicht begreifen, so lange wird Zukunft als Erinnerung gebunkert werden.

    Was war Obermanns Job mehr als Altenpflege?

    Nicht mal die konnte er.

    Blicken wir nach vorn weiterhin: ohne uns weiterhin Sand in die Augen träufeln zu lassen.

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