Telekom-Hauptversammlung
Was Höttges vom US-Erfolg gelernt hat

Telekom-Chef Höttges will mehr auf die Kunden hören und die Erfolgsrezepte der US-Tochter kopieren. Seine Aktionäre treibt vor allem der Breitbandausbau um. Höttges geht in dem Punkt hart mit den Rivalen ins Gericht.

KölnEs gibt Situationen, da kann der Chef der Deutschen Telekom abgeklärt wirken. Dann ist Timotheus Höttges mehr der Controller und Finanzvorstand, der er lange war. Doch umso mehr ist spürbar, wenn ihn ein Thema wirklich umtreibt – dann weicht er vom Manuskript ab.

In seiner Rede vor den Aktionären bei der Hauptversammlung des Konzerns am Mittwoch ist es soweit, als es um die erfolgreiche US-Tochter des Konzerns geht. „In den USA haben wir das Geschäft mit dem Mobilfunk neu erfunden“, sagt Höttges. Und: „Wir können in anderen Märkten davon lernen.“ Er lobt den Führungsstil der US-Mannschaft, ihren kontinuierlichen Kontakt mit den Kunden, aus deren Anregungen mittlerweile die „elfte Angebotswelle“ erwachsen sei. Roaming abschaffen, schneller ein neues Smartphone, Datenvolumen mit in den nächsten Monat übernehmen, das waren solche Angebotswellen.

Diese treiben nicht nur den Umsatz der US-Tochter nach an, sondern auch den des Mutterkonzerns. Zu den knapp 70 Milliarden umfassenden Erlösen der Telekom hat T-Mobile US mehr als 40 Prozent beigesteuert. Im vergangenen Jahr stieg ihr bereinigtes Ergebnis vor Abschreibungen und Steuern (Ebitda) um 55 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar. Finanziell partizipieren die Bonner davon allerdings nur über mehr Zuversicht der eigenen Aktionäre. Eine Dividende zahlen die Amerikaner nicht. Doch schwappen die Ideen hinter dem Erfolg mehr und mehr nach Deutschland.

So kündigt Höttges wenig später an, er habe mit Kunden gesprochen und wolle ändern, was sie stört. Kunden sollen in Zukunft einen persönlichen Ansprechpartner bekommen, dem sie ihr Problem nicht jedes Mal aufs Neue erklären müssen. Viele Fragen sollen direkt über eine App geklärt werden können. Zudem möchte die Telekom in Zukunft mehr Technikertermine auf Samstage legen, damit Kunden sich nicht mehr einen Tag Urlaub nehmen müssen.

Die geschätzt rund 1800 anwesenden Aktionäre, die sich an diesem Tag in der Lanxess-Arena in Köln eingefunden haben, lassen sich von Höttges' Optimismus angesichts des US-Geschäfts und neuer Kundenservices jedoch nicht mitreißen. Erst als der Telekom-Chef über den Breitbandausbau in Deutschland spricht, gibt es Zwischenapplaus. „Deutschland braucht Breitband für alle. Und zwar heute und nicht morgen“, hatte Höttges da gesagt.

Die Deutsche Telekom, erklärt er, habe im vergangenen Jahr mehr als vier Milliarden Euro in Deutschland investiert, also rund 18 Prozent des Umsatzes. Der Großteil davon sei in den Ausbau der Infrastruktur geflossen.

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