Telekom-Markt
Verkäufe beschleunigen Telefonicas Schuldenabbau

Die O2-Mutter Telefonica trägt ihren Schuldenberg von fast 50 Milliarden Euro langsam ab. Dafür müssen die Spanier Firmenbesitz verkaufen. Auch der Umsatz ging zurück. Trotzdem blickt Telefonica positiv in die Zukunft.
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MadridEuropas größter Telekom-Konzern Telefonica macht deutliche Fortschritte beim Abbau seiner immensen Schulden. Firmenverkäufe füllen die Kassen der künftigen E-Plus-Mutter auf, die allerdings auch wegen schwacher Geschäfte auf dem spanischen Heimatmarkt und in Brasilien in den ersten neun Monaten empfindliche Einbußen verkraften musste. Um der verlustträchtigen Beteiligung Telecom Italia finanziell Luft zu verschaffen, engagiert sich Telefonica mit einer weiteren Geldspritze und unterstützt milliardenschwere Geschäftsveräußerungen.

Der spanische Branchen-Gigant versprach am Freitag, die forcierte Reduzierung der Verbindlichkeiten werde sich bald auszahlen. Telefonica gehört zu den am höchsten verschuldeten Unternehmen in Europa. Bis Ende September gelang es aber, die Lasten auf 46,1 Milliarden Euro zu drücken. Damit erreichte Telefonica vorzeitig sein Ziel, die Marke von 47 Milliarden in diesem Jahr zu unterschreiten.

Dazu trennte sich der Konzern von Randbereichen in Südamerika und Europa. Zugleich nimmt er aber viel Geld in die Hand, um in lukrative Kerngeschäfte zu investieren. Die geplante Übernahme von E-Plus für 8,6 Milliarden Euro soll die Telefonica-Tochter O2 in Deutschland zum Mobilfunk-Anbieter mit den meisten Kunden machen, vor der Deutschen Telekom und Vodafone.

Auch Telecom Italia (TI), an der Telefonica indirekt mit 10,5 Prozent beteiligt ist, ringt mit einem gewaltigen Schuldenberg. Der neue TI-Chef Marco Patuano will verhindern, dass Italiens Marktführer vor einer größeren Umschuldung im kommenden Jahr schlechtere Noten von den Ratingagenturen bekommt. Nun sicherte sich Patuano die Unterstützung der Eigner für eine umfassende Neuausrichtung, mit der rund vier Milliarden Euro eingenommen werden sollen. Neben einer Wandelanleihe über 1,3 Milliarden Euro, an der sich Telefonica mit 103 Millionen beteiligen will, stehen Geschäftsverkäufe an. Abgegeben werden sollen neben 17.000 Funkmasten auch Tochterfirmen, insbesondere der 22,7-prozentige Anteil an Telecom Argentinia.

Mit den Erlösen will Patuano auch das in die Jahre gekommene TI-Netz in Italien aufrüsten. Ähnliche Modernisierungen sind für die attraktive Konzerntochter in Brasilien vorgesehen. An dieser will Patuano zunächst festhalten. Insiderinformationen zufolge wünscht aber der ebenfalls in Brasilien stark vertretene Großaktionär Telefonica, dass TI den Ableger im kommenden Jahr veräußert. TI-Chef Patuano signalisierte, dass er dazu bereit wäre, sollte der Käufer genug Geld auf den Tisch legen. "Es gibt für alles einen Preis", sagte er.

Die jahrelange Rezession und der Preiskampf in Italien setzen TI weiter kräftig zu. In den ersten neun Monaten sank der Gewinn um mehr als zehn Prozent auf 7,9 Milliarden Euro und der Umsatz um fast acht Prozent auf 20,4 Milliarden. Deutliche Rückgänge in dem Zeitraum gab es auch bei Telefonica. Der Überschuss fiel um neun Prozent auf 3,1 Milliarden Euro, die Erlöse mit derselben Rate auf 42,6 Milliarden - wozu auch die Firmenverkäufe beitrugen. Das Management macht inzwischen aber eine Stabilisierung der Geschäfte in Europa aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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