Telekom
Obermann lenkt von seinen Fehlern ab

Nach einem schlechten Geschäftsjahr 2011 und einem Gewinnrückgang im Auftaktquartal 2012 müsste Telekom-Chef René Obermann gegenüber den Aktionären in Erklärungsnot sein. Doch es gelingt ihm geschickt, das zu verhindern.
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KölnUnterschiedlicher könnte die Stimmung unter den Aktionären bei der Hauptversammlung der Deutschen Telekom in Köln kaum sein. Während institutionelle Anleger mit großen Sorgen auf die Entwicklung der Geschäftszahlen blicken, wollen einige Kleinaktionäre unbeschwert die Präsentation der Geschäftsführung verfolgen. „Meine Frau und ich haben im vergangenen Jahr unser Depot umgeschichtet. Und dabei ist die Telekom wegen der Dividende in unser Portfolio gekommen“, sagt ein älterer Herr. „Ich will mir das einfach mal anschauen. Für mich ist das wahnsinnig interessant, hier einmal die Aktionärsstruktur zu sehen. Die ist hier ja vollkommen anders als bei anderen Unternehmen, an denen ich Aktien halte.“

Als Obermann nach den einführenden Worten von Aufsichtsratschef Ulrich Lehner ans Rednerpult tritt, kommt in der Lanxess Arena nur verhaltener Applaus auf. Die Aktionäre warten gespannt darauf, was der Konzernchef ihnen zu berichten hat.

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Nach einer kurzen Vorstellung der neuen Vorstandskollegen kommt er schnell zur Sache: Der Markt für die Telekombranche in Europa sei schwierig. „Bis 2016 wird der Markt für Festnetzanschlüsse schrumpfen“, so Obermann.

Ungewöhnlich hart greift der Vorstandsvorsitzende die Regulierungsbehörden an. „Alle rufen nach schnellen Netzen, in jedem Winkel des Landes“, sagt Obermann. „Doch die Politik der Regulierungsbehörden ist kontraproduktiv.“ Der regulierungsbedingte Preisverfall bei der Netznutzung müsse gestoppt werden, sonst werde es keine neuen Impulse für den Breitbandausbau geben. Er ärgert sich nicht nur über den vom amerikanischen Kartellamt verhinderten Verkauf von T-Mobile USA, sondern auch über das Verhalten der Behörden auf dem europäischen Mobilfunkmarkt. „Wir brauchen weniger statt mehr Regulierung“, fordert der Telekom-Chef einen Kurswechsel. „Doch in Brüssel sehen wir genau das Gegenteil.“

Wenn Deutschland auch in Zukunft eine der weltweit modernsten Infrastrukturen haben wolle, seien weniger statt mehr Regulierung und stabile Netzentgelte notwendig. „Kein Vermieter baut ein Haus, wenn die Gefahr besteht, dass im Nachhinein die Behörden die Miete festlegen. Und das eventuell auf ein Niveau, bei dem er noch nicht einmal seine Kredite zurückzahlen kann“, sagt Obermann. Allein die jüngste Absenkung der Durchleitungsgebühren im Mobilfunk habe die Branche 2011 rund 850 Millionen Euro Umsatz gekostet.

Alles was Obermann sagt, läuft auf eines hinaus: Schuld an den Geschäftszahlen sind nicht er oder der Konzern, sondern andere.

Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hinterfragt die Attacke Obermanns. „Sie tun sich hier so schwer, Lobbyarbeit für die Aktionäre zu machen, weil Sie in der Vergangenheit die Backen zu sehr aufgeblasen haben“, so Labryga. „Wenn Sie so gegen die Regulierungsbehörden wettern, müssen Sie bedenken, dass sie kein Monopolist mehr sind.“

Kommentare zu " Telekom: Obermann lenkt von seinen Fehlern ab"

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  • Ach Telekom ... alles teurer, alles ein gutes Stück langsamrer, alles komplizierter.
    Auch @t-online ist das umständlichste Mail-Portal, das ich gekannt habe. Altmodische Telefonanschlüsse mit geringem Leistungsumfang und jeder Service kostet extra.
    Was ich bis heute hasse, das ist das unsagbar peinliche Telekom-Englisch: Ein gruseliges Leistungs- und Tarif-Wirrwarr hinter hochtrabenden Wortschöpfungen, die keiner versteht - oder verstehen will. Weiter so ... und tschüss Telekom!

  • Ich war jahrzehntelang Kunde der Telekom, dann hatte ich die Schnauze voll. Vor einem Jahr bin ich zu Kabel-Deutschland gewechselt, nicht nur wegen der 10x größeren Bandbreite und vieler Leistungen zum gleichen Preis, sondern hauptsächlich, weil ich dort tatsächlich ein geschätzter Kunde bin und nicht notwendiges Übel.

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