Die Deutsche Telekom interessiert sich für eine Mobilfunklizenz in Vietnam. In der kommenden Woche wolle sich T-Mobile-Chef Hamid Akhavan mit dem vietnamesischen Premierminister Nguyen Tan Dung zu einem Sondierungsgespräch treffen, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.
DÜSSELDORF. Die Deutsche Telekom
prüft derzeit Investitionen in Schwellenländern. In der kommenden Woche trifft sich T-Mobile-Chef
Hamid Akhavan mit dem vietnamesischen Premierminister Nguyen Tan Dung zu einem Sondierungsgespräch, heißt es in Regierungskreisen. Nguyen Tan Dung ist derzeit in Deutschland.
Das Treffen markiert einen geänderten Zeitplan in der Auslands-Strategie der Deutschen Telekom.
Noch im vergangenen Sommer hatte Konzernchef René Obermann im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt, er wolle in den kommenden Jahren nicht in Emerging Markets investieren.
Geplant seien zunächst nur Akquisitionen in Ländern, in denen T-Mobile
bereits präsent ist, da sich dort durch Übernahmen Synergien und Größenvorteile erzielen ließen. So hat Obermann im vergangenen Jahr einen Mobilfunkanbieter in den Niederlanden und einen regionalen Anbieter in den USA gekauft. Die Telekom
wollte sich zu dem Thema nicht äußern.
Die meisten anderen großen Telekomkonzerne kaufen dagegen bereits in den wachstumsstarken Schwellenländern zu. So hat Vodafone
im vergangenen Jahr einen indischen Mobilfunker übernommen, France Télécom
investiert vor allem in ehemaligen Kolonien.
Der vietnamesische Markt ist für die Telekomkonzerne interessant, weil dort demnächst eine vierte Mobilfunklizenz vergeben werden soll. Diese Ankündigung der vietnamesischen Regierung hat bereits zahlreiche internationale Mobilfunk-Anbieter auf den Plan gerufen.
France Télécom
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Marktbeobachter hatten der Telekom
in den vergangenen Monaten vorgeworfen, den Absprung in Richtung Emerging Markets zu verpassen. Inzwischen sind nicht mehr viele Kaufgelegenheiten übrig und die Preise bereits sehr hoch. So musste Vodafone
im vergangenen Jahr 13 Mrd. Dollar für den indischen Mobilfunker Hutchison Essar auf den Tisch legen.
Obermann fehle eine Wachstumsvision, monierten Kritiker. Die Deutsche Telekom
schrumpft im Inland, das Wachstum sichert vor allem die Mobilfunktochter in den USA. Aber dort haben bereits über 80 Prozent der Einwohner ein Handy, so dass ein Ende der hohen Zuwachsraten bereits in Sicht ist.
In den übrigen Industrienationen sind die Mobilfunkmärkte bereits weitgehend gesättigt, die Telekombranche setzt deshalb auf Schwellenländer, um weiter zu wachsen. In Nationen mit schwacher Infrastruktur spielt der Mobilfunk eine enorm wichtige Rolle. Selbst in ärmsten Ländern wie Bangladesch leisten sich die Einwohner ein Handy, weil sie oft keine andere Möglichkeit haben, mit Menschen außerhalb ihres Dorfes in Kontakt zu treten.
Durch die hohen Nutzerzahlen in diesen bevölkerungsreichen Ländern lohnen sich die Investitionen für die Mobilfunker trotz der niedrigen Minutenpreise dort. Einer der Vorreiter dieser Entwicklung ist die spanische Telefónica.
Sie steht heute unter anderem deshalb besser da als die meisten Konkurrenten, weil sie bereits früh in Lateinamerika investiert hat.

