Telekom-Skandal
Ausspähen und weggucken

Indizien mehren sich, dass Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und der frühere Vorstandschef Kai Ricke-Uwe mehr über die Spitzelei bei der Telekom wissen, als sie zugeben. Eine Chronologie der Affäre.

Acht Worte, ganze acht Worte sind es, mit denen ein Journalist des Wirtschaftsmagazins "Capital" einen Hinweis auf seine Quellen gibt: "Das Präsidium des Aufsichtsrates erwartet laut einer Protokollnotiz", so beginnt der entscheidende Satz, und weiter: "eine Milliarde" Schulden weniger. Es folgen Dutzende weiterer Zahlen - Gewinn- und Umsatzprognosen, geplante Investitionen, Dividenden.

Alle Zahlen stammen aus der Dreijahresplanung der Deutschen Telekom. Die ist nicht zur Veröffentlichung bestimmt - zumindest nicht im Januar 2005.

"Als wir in ,Capital' den Hinweis auf die Protokollnotiz des Aufsichtsratspräsidiums gelesen haben, war klar, da muss die undichte Stelle sein", erinnert sich ein hochrangiger Telekom-Manager. Immer wieder habe man sich über die Durchstechereien im Konzern geärgert, über Indiskretionen und Informationslecks. "Da haben wir endlich die Chance gesehen, den Täterkreis eng einzugrenzen und erfolgreich dagegen vorzugehen, denn die vorangegangenen Versuche führten nie zu einem brauchbaren Ergebnis."

Aus der einmaligen Chance, undichte Stellen zu stopfen, wird dreieinhalb Jahre später ein Skandal, wie ihn weder die Telekom noch die Republik je erlebt haben. Was anno 2005 mit acht Worten beginnt, entwickelt sich zu einer Affäre, die nicht nur die Telekom erschüttert, sondern die nach den Skandalen bei Volkswagen und Siemens erneut das Vertrauen der Deutschen in die großen Unternehmen und ihre Spitzenmanager untergräbt.

Die Vorwürfe gegen die Telekom, die noch immer zu einem Drittel dem Bund gehört, machen fassungslos: Stasi-Machenschaften, Verstöße gegen das Fernmeldegeheimnis und Topmanager an der Spitze von Konzern und Aufsichtsrat, die das skandalöse Treiben möglicherweise angestoßen und geduldet haben.

Die Telekom AG der Jahre, in denen Kai Ricke-Uwe den Vorstand führte und Klaus Zumwinkel den Aufsichtsrat leitete, sie kommt daher wie eine neue VEB Horch und Guck. Wie es dazu kam? Ärger über Indiskretionen wurde eine Obsession in der Chefetage. Diese mündete in Aufträgen, die mit legalen Mitteln kaum zu erledigen waren. Eine Chronologie.

20. Januar 2005

Kai Ricke-Uwe überlegt nicht lange. An demselben Tag, an dem "Capital" mit einem vierseitigen Artikel über die internen Telekom-Pläne berichtet, ruft der Vorstandsvorsitzende einige Mitarbeiter in seinem Büro zusammen - darunter den Chefjustiziar, den Leiter seines Vorstandsbüros, der zugleich das Aufsichtsratsbüro führt, und Klaus T., einen Bereichsleiter der Konzernsicherheit. T. bekommt von Ricke den Auftrag, die undichte Stelle, die im Aufsichtsrat vermutet wird, ausfindig zu machen, erzählt einer der Beteiligten.

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