Telekom-Spitzelaffäre
Interner Bericht belastet Zumwinkel und Ricke

Ex-Telekomchef Kai-Uwe Ricke sowie der ehemalige Aufsichtsratchef Klaus Zumwinkel geraten in der Spitzel-Affäre weiter unter Beschuss: Die Kanzlei Oppenhoff & Partner, die die Affäre im Auftrag der Deutschen Telekom untersucht hat, kommt in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass Zumwinkel und Ricke persönlich Ermittlungen gegen ein Aufsichtsratsmitglied in Auftrag gegeben haben. Dem Handelsblatt liegt das Ergebnis des Berichtes vor.

DÜSSELDORF. Der Konzernchef und sein Chefkontrolleur verdächtigten Anfang 2005 den Aufsichtsrat und damaligen Betriebsratchef Wilhelm Wegner, geheime Informationen an die Presse weitergeleitet zu haben. Um Beweise gegen Wegner zu sammeln, beauftragten sie den Abteilungsleiter der Konzernsicherheit, Klaus Trzeschan, mit einer Recherche. Wie dieser Auftrag genau aussah, ist unklar. Fest steht dagegen, dass daraufhin die Telefonverbindungen von Wegner illegal überprüft wurden. Und nicht nur seine: Insgesamt erfasste die Telekom-Konzernsicherheit Verbindungen von 55 Personen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, Ricke und Zumwinkel gehören zu rund einem Dutzend Beschuldigten.

In dem Abschlussbericht heißt es, man habe nicht klären können, ob Zumwinkel und Ricke die illegale Überprüfung in Auftrag gegeben oder gebilligt haben oder ob der Sicherheitsmitarbeiter aus Eigeninitiative diese Methode gewählt hat, um den verdächtigten Aufsichtsrat zu überführen. Zumwinkel wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Ricke war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Bericht wirft viele Fragen zum Verhältnis von Zumwinkel und Ricke auf der einen Seite und dem Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung auf der anderen Seite auf. So ist Ende Dezember 2005 der Geschäftsverteilplan geändert worden. Das Ergebnis ermächtigte Zumwinkel und Ricke, dem Sicherheitsbeamten Trzeschan direkt Ermittlungsaufträge zu erteilen. Das ist aus zwei Gründen ungewöhnlich: Normalerweise darf ein Aufsichtsrat nicht direkt Aufträge an einzelne Mitarbeiter erteilen, sondern muss den Vorstand darum bitten. Dort wiederum ist auch nicht der Konzernchef zuständig, sondern der Vorstand, in dessen Verantwortung die Sicherheitsabteilung liegt - im Jahr 2005 war das der Personalbereich unter Leitung von Heinz Klinkhammer. Der aber wurde damals gar nicht eingeschaltet.

Unklar ist bislang noch, ob mit der Änderung des Geschäftsverteilplanes die bereits praktizierte Absprache zwischen Zumwinkel, Ricke und Trzeschan nachträglich legitimiert werden sollte oder ob es andere Gründe dafür gab. In Konzernkreisen etwa heißt es, Trzeschan sollte damit befördert werden, weil sich die Gehaltshöhe bei der Telekom danach richtete, wie nah ein Mitarbeiter in der Hierarchie dem Vorstand stand.

Selbst wenn die Änderung andere Gründe hatte, steht das zentrale Ergebnis des Berichtes im Widerspruch zu jüngsten Aussagen von Zumwinkel. Während Oppenhoff & Partner zu dem Ergebnis kommen, dass Zumwinkel und Ricke den Auftrag erteilt haben, hat der ehemalige Chefkontrolleur noch vor wenigen Wochen in einem Interview seine Schuld von sich gewiesen und erklärt: "Ein Aufsichtsrat kann Mitarbeitern keine Weisung geben."

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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