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20.11.2008 
Abhör-Skandal

Telekom spitzelte auch im Festnetz

von Sandra Louven

Bisher hat die Telekom beteuert, sie habe nur Mobiltelefone ausspioniert. Doch jetzt zeigt sich: Sie hat auch Festnetzanschlüsse von Journalisten überprüft - unter anderem von zwei Redakteuren der "Wirtschaftswoche".

Schief und schmutzig: Der Telekom-Skandal zieht ímmer weitere Kreise. Foto: dpaLupe

Schief und schmutzig: Der Telekom-Skandal zieht ímmer weitere Kreise. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Die Deutsche Telekom hat in der Spitzelaffäre nicht nur Mobilfunk- sondern auch Festnetzverbindungen überprüft. So haben Konzernmitarbeiter von Mitte Februar bis Mitte Juni 2006 den privaten Festnetzanschluss des "Wirtschaftswoche"-Redakteurs Jürgen Berke ausgespäht. Ebenso auf der Spitzel-Liste stand sein Büroanschluss sowie der seines Kollegen Thomas Kuhn und die Handy-Nummern der beiden Redakteure. Die Wirtschaftswoche erscheint ebenso wie das Handelsblatt in der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Bislang hieß es, die Telekom habe nur Handy-Nummern unter die Lupe genommen. Zu den Hauptbeschuldigten in der Affäre zählen neben drei Mitarbeitern aus der Konzernsicherheit auch zwei Beschäftigte der Mobilfunksparte T-Mobile. Die Telekom hatte im Mai eingeräumt, in den Jahren 2005 und 2006 Verbindungsdaten missbraucht zu haben. Ziel war es, diejenigen im Unternehmen ausfindig zu machen, die Interna an Journalisten weitergeleitet hatten.

Interessant an Berkes Fall ist, dass es sich dabei nicht um einen Anschluss der Deutschen Telekom handelt. Berke telefoniert zuhause über den Kölner Rivalen Net Cologne. Sein privates Handy, das ebenfalls bespitzelt wurde, gehört zu dem Konkurrenten O2. Auch das Handy des "Capital"-Redakteurs Reinhard Kowalewsky stammt aus dem Netz eines Wettbewerbers - E-Plus. Kowalewskys Gespräche waren nach Informationen des Handelsblattes aus Ermittlerkreisen der Ausgangspunkt für die Recherchen der Spitzel. Er hatte die Konzernspitze mit der Veröffentlichung der internen Mittelfristplanung Anfang 2005 erzürnt.

Die Fälle werfen die Frage auf, ob auch Wettbewerber der Telekom dem Konzern Verbindungsdaten ihrer Kunden zur Verfügung gestellt haben. Net Cologne und O2 bestreiten das. "Wir haben definitiv keine Verbindungsdaten zu Spitzelzwecken an die Telekom geliefert", sagte Net Cologne-Chef Werner Hanf dem Handelsblatt. Auch O2 versichert, nicht kooperiert zu haben.

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