Telekom-Streik geht in die zweite Woche
„Der gewählte Anschluss ist nicht besetzt“

Auch nach einer Woche des Streiks bei der Deutschen Telekom ist keine Einigung in Sicht, im Gegenteil: Die Fronten verhärten sich, die Stimmung wird aggressiver. Den Streikenden droht man mit Abmahnungen und Kündigungen. Auch die Kunden gehören zu den Leidtragenden.

HB DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Für Montag erwartete die Dienstleistungsgesellschaft Verdi bundesweit rund 15 000 Streikende. Es werde zu Beeinträchtigungen beim Kundendienst kommen, sagte am Montag der Streikkoordinator der Gewerkschaft Verdi, Ado Wilhelm.

Der Streik bei der Telekom richtet sich gegen die geplante Auslagerung von bundesweit mehr als 50 000 Telekom-Mitarbeitern in Service-Gesellschaften zum 1. Juli. Ohne einen Kompromiss mit Verdi sollen den betroffenen Beschäftigten bis Ende Mai Tarifverträge anderer Unternehmensbereiche angeboten werden. Diese haben dann vier Wochen Zeit, das Angebot anzunehmen. Dabei will das Unternehmen auch längere Arbeitszeiten bei niedrigerer Bezahlung durchsetzen.

In der Frühschicht waren allein in Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie Berlin und Brandenburg rund 7 500 Mitarbeiter zum Streik aufgerufen. Betroffen waren wiederum die Bereiche Hotline-Service und Kundendienst. Auf einen Telefonanschluss müsse man sechs Wochen warten, hieß es in Gewerkschaftskreisen. Auch in Call- Centern sei kein Durchkommen, weil die Mitarbeiter streikten.

Allein in Bayern rief Verdi rund 2 500 Beschäftigte an 18 Standorten zu Arbeitsniederlegungen auf. Die Stimmung sei weiterhin gut, sagte Streikleiter Helmut Doser. Sie werde jedoch aggressiver, weil zunehmend mit Abmahnungen und Kündigungen gedroht würde. „Wir hoffen alle, dass der Arbeitgeber bald zur Besinnung kommt“.

In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben von Verdi 2 400 Mitarbeiter der Telekom mit der Frühschicht zum Streik aufgerufen worden. Inzwischen habe es Einschüchterungsversuche von der Firmenseite gegeben: Briefe seien verschickt worden, in denen Notdienste und Erhaltungsarbeiten eingefordert würden, ansonsten drohten arbeitsrechtliche Konsequenzen.

In Berlin und Brandenburg beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 2 500 Beschäftigte. Einbezogen werden sollten alle von den Umstrukturierungsplänen betroffenen Standorte.

Die Telekom will mit der Ausgliederung den Service verbessern und die Kosten senken. Aus Sicht von Verdi hilft die Auslagerung nicht dabei, Serviceprobleme zu lösen und den Kundenschwund am Heimatmarkt zu stoppen. Die Gewerkschaft kann die Ausgliederung nicht verhindern, will mit dem Arbeitskampf aber zumindest bessere Beschäftigungsbedingungen erzielen als bislang von der Telekom angeboten.

Die Auseinandersetzung zwischen dem Bonner Konzern und den Arbeitnehmervertretern war mittlerweile auch Thema beim Großaktionär Bund. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bestätigte einen „Spiegel“-Bericht, wonach es vergangene Woche ein Spitzengespräch zwischen Telekom-Chef Rene Obermann, Finanzminister Peer Steinbrück, Verdi-Chef Frank Bsirske sowie SPD-Fraktionschef Peter Struck gegeben habe. „Das Treffen hat stattgefunden. Es diente der Information des Hauptanteilseigners durch die Gewerkschaften und das Unternehmen selbst“, sagte der Ministeriumssprecher. „Wir werden uns auch künftig bei Bedarf informieren lassen. Wir werden in keiner Weise das operative Geschäft der Telekom beeinflussen oder uns dazu äußern“, betonte er.

Zwar bestünden informelle Kontakte zwischen Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder und Telekom-Verhandlungsführer Karl-Gerhard Eick, sagte der Gewerkschaftssprecher, ein neuer Verhandlungstermin sei aber nicht vereinbart. Verdi warte weiter auf ein deutlich verbessertes Angebot der Telekom.

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