Telekom-Tochter erwartet weitere Großaufträge
T–Systems übernimmt IT der WestLB

Die Düsseldorfer WestLB wird den Betrieb ihrer Rechen- und Druckzentren an die Deutsche Telekom abgeben. Im Gespräch mit dem Handelsblatt bestätigte Konrad Reiss, Telekom-Vorstandsmitglied und Chef der Großkundensparte T-Systems, „den Abschluss eines zunächst fünf Jahre laufenden Outsourcing-Vertrags“. Die WestLB will durch die Auslagerung die Kosten für ihre Informationstechnologie (IT) senken.

FRANKFURT/M. Das Umsatzvolumen bezifferte Reiss auf „rund 200 Mill. Euro“. Bis spätestens November des laufenden Jahres übernimmt T–Systems den Betrieb der WestLB-Rechenzentren. Ebenfalls betroffen sind rund 200 Mitarbeiter der WestLB, die im Zuge der Auslagerung zu T-Systems wechseln werden. Bereits vor kurzem konnte T-Systems die Verlängerung eines Vertrags mit dem Automobilkonzern Daimler-Chrysler über drei Jahre und einem Volumen von 1,2 Mrd. Euro melden.

Nach Brancheninformationen hat sich die T-Systems bei der WestLB gegen den Konkurrenten IBM Global Services durchgesetzt, der bis zur letzten Runde des Bieterverfahrens im Rennen gewesen sein soll. Ende vergangener Woche hatte IBM – weltweit größter IT-Dienstleister – angekündigt, im deutschen Outsourcing-Geschäft T-Systems überrunden zu wollen. „Unser Ziel ist definitiv, die Nummer eins zu sein", sagte Christian Hildebrandt, Leiter Strategisches Outsourcing der IBM Deutschland. Mit einem Marktanteil von rund 11 % liegt IBM in Deutschland allerdings weit hinter T-Systems, die mit einem Marktanteil von knapp 20 % Marktführer ist. Immer stärker drängen ebenfalls erfahrene Outsourcing-Anbieter wie EDS und CSC auf den wachsenden deutschen Markt.

Mit einem Umsatzvolumen von 5,1 Mrd. Euro in den ersten sechs Monaten 2003 gehört T-Systems zu den größten europäischen IT-Dienstleistern. Allerdings kämpft T-Systems, wie die gesamte Branche, gegen Nachfragerückgänge im Systemhausgeschäft: „Wie alle trifft uns weiterhin die Schwäche des Marktes im Beratungs- und Softwareentwicklungsgeschäft“. Deshalb bleibt Reiss auf Sparkurs: „Das Ziel, bis Ende des Jahres die Kosten um 500 Mill. Euro zu senken, steht und wird aller Voraussicht nach auch erreicht werden“, sagte Reiss. Auch sei der Personalabbau bei T-Systems noch nicht abgeschlossen.

Im Unterschied zu vielen anderen IT-Dienstleistern besteht das Kerngeschäft von T-Systems nur zu einem Teil aus dem klassischen Systemhausgeschäft wie Rechenzentrenbetrieb, Softwareentwicklung und Systemintegration. „T-Systems bündelt das Großkundengeschäft der Deutschen Telekom", beschreibt Reiss die Rolle im Konzern. Dazu gehören neben IT-Services auch Telefon- und Netzdienstleistungen. Attraktivster Wachstumstreiber bleibt jedoch nach Einschätzung der Marktanalysten von PAC das Outsourcing-Geschäft.

Besonders in die Banken- und Finanzbranche ist Bewegung gekommen, nachdem die Deutsche Bank den Betrieb ihrer Rechenzentren an IBM ausgelagert hat. Auch die Commerzbank hat Outsourcing-Gespräche mit IBM bestätigt. Viele andere Institute denken intensiv über eine Auslagerung ihrer IT nach.

Davon will T-Systems profitieren: „Ich rechne mit weiteren größeren Outsourcing-Abschlüssen noch in diesem Jahr“, so Reiss. Trotzdem geht der T-Systems-Chef für 2003 lediglich von einem Wachstum der Outsourcing-Sparte im „einstelligen Prozentbereich“ aus. Denn die jüngsten Verträge würden sich „erst im kommenden Jahr in den Ergebnissen widerspiegeln“.

Gerüchte über einen schwelenden Konflikt mit der Konzernschwester T-Com um die Zuständigkeit für mittelständische Kunden wies Reiss zurück: „Wir haben eine relativ konstante Zahl von rund 1 500 Großkunden und darüber gibt es auch keine Diskussionen im Telekom-Vorstand. Der klassische Mittelständler „wird von der T-Com bedient", so Reiss.

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