Telekom-Tochter

T-Mobile US steigt ins TV-Geschäft ein

T-Mobile US will das Fernsehgeschäft aufrollen: Die Telekom-Tochter kauft einen TV-Anbieter und plant nun das richtig zu machen, was die Konkurrenz falsch macht. Das Konzept von CEO Legere hat schon einmal funktioniert.
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Der T-Mobile-US-Chef bläst zum Angriff auf die US-Kabelfernsehanbieter. Quelle: AP
John Legere

Der T-Mobile-US-Chef bläst zum Angriff auf die US-Kabelfernsehanbieter.

(Foto: AP)

DüsseldorfJohn Legere stichelt nicht, er erklärt direkt den Krieg. Am Mittwoch kündigte der Chef des amerikanischen Mobilfunkanbieters T-Mobile US den Einstieg ins US-Fernsehgeschäft mit folgenden Worten an: „Die Leute lieben Fernsehen, aber sie hassen ihren TV-Anbieter.“ Diese Firmen – und hier nennt T-Mobile US konkret unter anderem die Kabelanbieter Comcast, Time Warner Cable und Charter -  seien „die absolut schlimmsten“, sagt Legere. „Amerikas meistgehassten Unternehmen“ würden ihre Kunden so schlecht behandeln, dass sie rund 4000 Beschwerden am in Sozialen Netzwerken posten würden, erklärt er.

Und natürlich kündigt der Chef der Telekom-Tochter an, es besser zu machen. Dafür will T-Mobile US den TV-Anbieter Layer3TV übernehmen und darüber einen eigenen Fernsehservice anbieten.

Layer3TV bietet Set-Top-Boxen an, wie viele sie von Angeboten wie Entertain der Telekom, Apple TV oder Amazons Fire TV kennen. Das Fernsehen wird darüber nicht klassisch über Fernsehkabel oder Satellit, sondern das Internet übertragen. Layer3TV bietet darüber nicht nur Fernsehen, sondern auch Videostreaming und Zugang zu Sozialen Netzwerken an. Das Unternehmen wurde erst 2013 gegründet.

In Zukunft sollen die TV-Dienste über jede mögliche Internetverbindung angeboten werden, auch per App über Mobilfunk. Legere betonte, es sei nicht unbedingt eine Festnetzverbindung erforderlich. T-Mobile US hat bei einer Frequenzauktion am Jahresanfang ein großes Paket an Funkspektren gekauft, die das Unternehmen nun teilweise dafür nutzen will.  Dabei verspricht der Mobilfunker, all das zu ändern, was die Kunden bisher an ihren TV-Anbietern stört: etwa den Zwang, lang laufende Verträge abzuschließen. Gleichzeitig will T-Mobile US das TV-Angebot passgenauer auf den jeweiligen Kunden zuschneiden, indem es seine Nutzungsdaten auswertet.  

Die Strategie, die Fehler der anderen zu nutzen um Kunden für sich zu gewinnen, hat bei T-Mobile US schon einmal funktioniert: in seinem Kerngeschäft mit Mobilfunk. Kurz nach seinem Start im Unternehmen 2012 rief John Legere das „Uncarrier“-Konzept, was genau das zum Kern hat. Er „befreite“ die  Kunden von Datenbeschränkungen, Sondergebühren und anderen Vorschriften. Das zog: Heute hat das Unternehmen rund 71 Millionen Kunden ist nun Nummer 3 im US-Markt. Gleiches hat Legere nun auch im TV-Markt vor.

Eine neue Idee ist der Einstieg ins Fernsehgeschäft indes nicht. Viele Telekommunikationsanbieter bieten TV und oder Videostreamingdienste an. Die Unternehmen versprechen sich unter anderem davon, mehr pro Kunde verdienen zu können, sogenanntes Upselling. Zudem erklären Experten, dass TV-Kunden treuer sind als Mobilfunkkunden und somit die Rate derer, die aus reinen Kostengründen zu einem anderen Anbieter wechseln, gesenkt werden kann.

Einen Preis für die Übernahme nannten die beiden Unternehmen nicht. Der Deal wird laut Legere schon seit einer Weile verhandelt, ist noch nicht abgeschlossen. Warum die Gespräche trotzdem bereits verkündet wurden, sagten die Firmen nicht. T-Mobiles Finanzchef Braxton Carter erklärte, an der Prognose für die Geschäftsentwicklung werde sich durch die Übernahme nichts ändern. Im Oktober hatte der Mobilfunker die Aussichten noch einmal leicht erhöht, im laufenden Geschäftsjahr soll das bereinigte Geschäftsergebnis (Ebitda) zwischen 10,8 und elf Milliarden Dollar liegen. In den ersten neun Monaten stieg das bereinigte Ebitda um 17,3 Prozent auf 7,31 Milliarden Euro.

Die Aktionäre von T-Mobile US reagierten positiv, wenn auch nicht überschwänglich auf die Ankündigung. Der Preis der Aktie stieg leicht um zwischenzeitlich 1,3 Prozent auf rund 64,50 Dollar. Das Papier hat sich wieder erholt, nachdem es Anfang November in wenigen Tagen um rund sieben Dollar gefallen war. Damals war bekannt geworden, dass der Mobilfunker sich nicht mit Wettbewerber Sprint zusammenschließen wird.

Auch der Aktie des Mutterkonzerns Deutsche Telekom half der Einstieg ins TV-Geschäft der Tochter zunächst nicht. Am späten Mittwochnachmittag verlor das Papier rund 0,5 Prozent an Wert und kostet nun 15,20. T-Mobile US ist der Star im Portfolio des Konzerns. Fast die Hälfte des Umsatzes und 40 Prozent des bereinigten Ergebnisses entfallen mittlerweile auf die Tochter.

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