Telekom verlässt US-Markt: Für Obermann zählt nur die Rendite

Telekom verlässt US-Markt
Für Obermann zählt nur die Rendite

Der Verkauf der US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom verzückt dort wie hier die Märkte. Dass die Telekom damit den Status als Branchenprimus einbüßt, stört niemanden - am wenigsten René Obermann.
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Düsseldorf/Frankfurt

Telekomchef René Obermann macht mit dem Verkauf der US-Tochter deutlich, dass er der Rendite Priorität vor dem Umsatz einräumt. Dass die Deutsche Telekom nach dem Verkauf der US-Mobilfunktochter in Europa vom Branchenprimus zur Nummer drei schrumpfe, sei "irrelevant", sagte Obermann im Gespräch mit dem Handelsblatt.

"Die reine Größendiskussion um Global Player hat in vielen Unternehmen nicht dazu geführt, dass die Kapitalverzinsung auch nur einigermaßen adäquat war. Auch bei uns ist sie noch nicht befriedigend", sagt der Telekomchef.

Der Verkauf von T-Mobile USA an AT&T reduziere zwar den Umsatz, schaffe aber "auf der Wertseite enormen Mehrwert. Wir sind damit sehr zufrieden, weil wir für den Verkauf 14 Milliarden Dollar mehr erzielen, als die Analysten uns vorher zugetraut hätten", sagt Obermann.

Kritik, die Telekom hätte bei einem früheren Verkauf einen höheren Preis erzielen können, weist er zurück. Das wäre zum Zeitpunkt der Wirtschaftskrise seit 2008 gar nicht möglich gewesen, daher sei sein Timing "sehr gut gewählt".

Größere Zukäufe in Schwellenländern schloss Obermann weiterhin aus. Stattdessen müsse der Konzern auf Mehrwertdienste wie das mobile Internet setzen: "In den Ländern, in denen wir hohe Marktanteile besitzen, können wir uns auch leisten, in schnellere Netze zu investieren. Es ergibt aber keinen Sinn, sich überall zu verkämpfen."

Die Deutsche Telekom verabschiedet sich mit einem Paukenschlag aus den USA: Für 28 Milliarden Euro verkauft der Bonner Konzern seine kriselnde Tochter T-Mobile USA an den Mobilfunkriesen AT&T. Mit dem Ende des vor zehn Jahren von Ex-Chef Ron Sommer gestartet US-Abenteuers beseitigt Obermann einen großen Unsicherheitsfaktor. Die Telekom-Aktie legte daraufhin am Montag kräftig zu, Analysten zeigten sich erleichtert: "Eine kleinere Telekom ist mir lieber als eine große, die den Bach runter geht", sagte Commerzbank-Telekomanalystin Heike Pauls.

Rückläufige Kundenzahlen und eine lange Zeit schlechte Netzabdeckung hatten aus dem einstigen Wachstumsmotor T-Mobile USA in den vergangenen Jahren einen Sanierungsfall gemacht, den die Telekom nun los ist. Anleger griffen deshalb begeistert zur T-Aktie - durch den Kurssprung um bis zu 16 Prozent auf 11,15 Euro wuchs der Wert des Konzerns um fast sieben Milliarden Euro.

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