Telekom
Visionen aus der Besserungsanstalt

In Seoul präsentiert Telekom-Vorstand Walter Raizner neue Ideen für die kriselnde Festnetz-Sparte des Unternehmens. Doch während in Korea schnelle Internetverbindungen mittlerweile zum Standard gehören, wird in Deutschland immer noch über die Regulierung der neuen Hochgeschwindigkeits-Leitung VDSL gestritten.

SEOUL. Walter Raizner sagt, er wisse genau, wo die Reise für die Deutsche Telekom hingehen soll. In Korea, dem Musterland für schnelle Internetverbindungen, führt sie den Festnetzvorstand des Bonner Konzerns direkt ins Gefängnis. Nicht, dass er sich dort wegen der schlechten Performance seiner Sparte verhaften lassen will. Nein, er ist dort, um zu zeigen, wo die Zukunft liegt.

Das Anyang-Gefängnis im Großraum Seoul ist Pionier-Anwender einer vermeintlichen Zukunfts-Technologie – der Telemedizin. In dem ungastlichen Zuchthaus mit niedrigen Decken steht die schwüle Augusthitze. Türen aus blauen Gitterstäben führen durch mehrere Gänge zu einem circa 15 Quadratmeter großen Raum, in dem Raizner die Lösung für seine Probleme gefunden haben will. Der Raum ist voll gestellt mit modernster Technik – drei PC-Bildschirmen, einer gigantischen Videoleinwand und allerhand medizinischem Untersuchungsgerät. Dazu gehören Blutdruckmessgeräte, Stethoskope und Stäbchen, die dazu dienen, Rachen und Ohren auszuleuchten. Das Besondere an diesen Instrumenten: Sie sind alle online mit einem Krankenhaus in Seoul verbunden.

Die „Anyang Correction Institution“, wie sich die Haftanstalt beschönigend nennt, besitzt keine Krankenstation. Die Gefangenen werden vor Ort untersucht – anwesend sind ein Allgemeinmediziner und ein Helfer. Per Videokonferenz ist ein Facharzt aus dem Krankenhaus zugeschaltet, der die Daten der vernetzten Untersuchungsgeräte erhält und so seine Diagnose stellt.

„Das ist ganz klar ein neuer Markt“, schwärmt Raizner. Schließlich sind für das Verschicken der Körperdaten per Internet hohe Übertragungsgeschwindigkeiten nötig. Würden die EU-Kommission und der deutsche Regulierer sich seiner Meinung anschließen, hätte der Vorstand der kriselnden Festnetzsparte T-Com ein Problem weniger. Denn dann bestünden gute Aussichten darauf, dass seine neuen Hochgeschwindigkeitsleitungen (VDSL) von der Regulierung verschont blieben. Der Streit darum hat sich bis auf die politische Ebene ausgeweitet, weil die Bundesregierung die Telekom gegen den Protest der EU unterstützen will. Im Herbst soll der Bundestag über eine entsprechende Kabinettsvorlage entscheiden.

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