Telekom vor der Hauptversammlung
Dobermann ohne Zähne

Telekom-Chef René Obermann hat eineinhalb Jahre nach Amtsantritt einen Teil seines Kredits verspielt: Der Mann, der als aggressiv und durchsetzungsfähig galt, agiert inzwischen deutlich vorsichtiger. Der Konzern wirkt unter seiner Führung planlos.

DÜSSELDORF. René Obermann strahlt übers ganze Gesicht, und seine Gäste strahlen zurück. Der Chef der Deutschen Telekom steht in der vollen Eingangshalle der Konzernniederlassung in Berlin und redet über Sieg, Erfolg und Glück. Die Gäste springen auf, es gibt stehende Ovationen, Kamera-Handys klicken.

Doch es ist nicht René Obermann, der die Begeisterungsstürme auslöst, sondern die Herren, die neben ihm stehen: Luca Toni, Franck Ribéry, Oliver Kahn und all die anderen Helden des FC Bayern München, die den DFB-Pokal gewonnen haben. Mit der Telekom, ihrem Hauptsponsor, stoßen sie auf ihren Sieg an. Und sorgen dafür, dass es für den Telekom-Chef etwas zu feiern gibt - zumindest an diesem Abend Ende April.

Solche Gelegenheiten sind rar für Obermann. Im Kerngeschäft der Telekom will keine Feierlaune aufkommen. Im Gegenteil. Eineinhalb Jahre nach Obermanns Antritt als Vorstandsvorsitzender des Bonner Konzerns ist die Euphorie über den Neuen verflogen, Ernüchterung hat sich breit gemacht. Der Mann, den sie einst wegen seiner Aggressivität "Bulldozer" und "Dobermann" nannten, hat noch nicht die erhoffte Trendwende gebracht. Er agiert stattdessen eher vorsichtig, der Konzern wirkt planlos.

Obermann hat den schweren Tanker Telekom zwar stabilisiert. Es bleibt aber unklar, wohin er ihn steuern will. Er hat Personalkosten gesenkt und Tausende von Mitarbeitern ausgegliedert. Er hat unterschiedliche technische Systeme zur Kundenbetreuung zu einem einzigen zusammengeführt und den Service verbessert. Im Ausland hat er verlustbringende Beteiligungen verkauft und andere ausgebaut.

Aber was ist sein langfristiges Ziel? Wie will er den Aktienkurs wieder flottmachen? Wie den Konzern zukunftssicher? Das sind einige der Fragen, die die T-Aktionäre umtreiben und die Obermann wohl morgen auf der Hauptversammlung beantworten muss. Zum ersten Mal wird er ihnen über ein volles Geschäftsjahr unter seiner Führung Rechenschaft ablegen.

"Das Problem ist", sagt Andreas Mark von der Fondsgesellschaft Union Investment, "dass Obermann die Umsatzstruktur nicht nachhaltig ändern konnte." Genau das ist aber dringend nötig, um den Konzern auf Wachstumskurs zu halten, um zu verhindern, dass Konkurrenten an der Telekom vorbeiziehen, um die Fantasie der Anleger zu beflügeln.

Knapp die Hälfte des Umsatzes macht die Telekom noch immer in Deutschland. Dort aber laufen ihr die Kunden scharenweise davon, im Mobilfunk purzeln die Preise ebenso wie auf dem Markt für schnelle Internetzugänge. Wachsen kann die Telekom daher nur im Ausland.

Die Expansion kommt aber nur schleppend voran. Klappt der Einstieg bei der griechischen OTE, den die Telekom derzeit verhandelt, hat Obermann zwar insgesamt zwölf Milliarden Euro ausgegeben. Doch der große Wurf war noch nicht dabei.

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