Die Deutsche Telekom hat wochenlangen Verhandlungen für den Einstieg auf den griechischen Markt erfolgreich abgeschlossen. Den Einstieg bei OTE lässt sich der Rosa Riese rund 3,2 Mrd. Euro kosten. Sollte sich die griechische Regierung entscheiden, weitere Aktien des Unternehmens an die Telekom zu verkaufen, könnte der Anteil der Bonner noch steigen.
Das Logo der Deutschen Telekom spiegelt sich in der Bonner Firmenzentrale. Das Unternehmen steigt jetzt in Griechenland ein. Foto: ap
HB ATHEN/DÜSSELDORF. Die Telekom erhält die Managementkontrolle und nimmt OTE voll auf ihre Bücher. Sollte die griechische Regierung, die vorerst mit 25 Prozent an OTE beteiligt bleibt, von ihrem Recht Gebrauch machen, der Telekom weitere Aktien zu verkaufen, könnte der Anteil der Bonner an OTE auf bis zu 40 Prozent steigen. Mit dem Einstieg in Griechenland wagt sich der seit eineinhalb Jahren amtierende Vorstandschef Obermann erstmals in einen neuen Markt vor. Obermann stärkt damit das Geschäft in Südosteuropa, wo die Telekom dann mit Ausnahme von Slowenien und Kosovo überall vertreten ist. Die Telekom erzielt mittlerweile mehr als die Hälfte der Erlöse außerhalb des stagnierenden deutschen Marktes. OTE ist Marktführer im Festnetz- und Mobilfunkgeschäft in Griechenland und auch in Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Albanien und mit einer Beteiligung in Serbien aktiv.
Obermann erhofft sich Synergien von mindestens zwei Mrd. Euro auf der Investitions- und Kostenseite. Bei einer vollen Konsolidierung der Gesellschaft übernimmt die Telekom nach früheren Angaben Nettoschulden von 4,9 Mrd. Euro. Dadurch steigen 2008 die Nettoschulden im Konzern auf das 2,2-fache des bereinigten operativen Gewinns (Ebitda), wie die Telekom erläuterte. Grund sei, dass das Ebitda von OTE nur anteilig in die Rechnung eingehe. OTE zählte zum Jahresende über 1,2 Mill. Breitband- und 15,5 Mill. Mobilfunkkunden und erwartet ein durchschnittliches Wachstum des operativen Gewinns von sechs bis acht Prozent bis 2009. 2007 steigerte OTE den Umsatz um sieben Prozent auf 6,3 Mrd. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 3,4 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro.
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Die Verhandlungen der Telekom mit der griechischen Regierung hatten sich über Wochen hingezogen. Der Konzern hatte es zur Bedingung gemacht, so viel Einfluss auf das operative Geschäft der OTE zu erhalten wie nötig, um das Unternehmen konsolidieren zu können. Wie der griechische Finanzminister George Alogoskoufis erläuterte, darf die Telekom den Chef von OTE bestimmen. Vom griechischen Staat übernimmt die Telekom drei Prozent der OTE-Anteile für rund 0,43 Mrd. Euro. An die Einigung mit der Regierung hatten die Bonner die bereits angekündigte Übernahme von knapp 20 Prozent an OTE geknüpft, die der Investor Marfin Investment hielt, die nun für 2,55 Mrd. Euro an die Telekom gingen. Weitere zwei Prozent der Aktien werde der Konzern am Markt erwerben. Damit hält die Telekom dann 25 Prozent plus einer Aktie.
Zudem vereinbarten die Partner Andienungs- und Vorkaufsrechte. Die Regierung könne ab Oktober 2008 über einen Zeitraum von zwölf Monaten der Telekom weitere fünf Prozent an OTE anbieten zu einem Preis von 27,50 Euro je Aktie oder rund 0,67 Mrd. Euro. Eine zweite Put-Option halte die Regierung bis 2011 für weitere zehn Prozent der OTE-Anteile. Zudem habe der griechische Staat der Telekom ein allgemeines Vorkaufsrecht über seine Anteile an der OTE eingeräumt. Die Telekom hatte betont, dass sie nicht an einer Komplettübernahme von OTE interessiert sei. Ein Angebot an die übrigen Aktionäre müsste der Konzern auch nicht unterbreiten, wenn er über die dafür relevante Schwelle von 33 Prozent komme, erläuterte ein Sprecher. Grund sei, dass die Anteile dann aus der OTE-Privatisierung stammen würden und nicht vom Markt kämen.

