Telekomausrüster
Alcatel sieht keine Bomben in der Bilanz

Ben Verwaayen, Chef des angeschlagenen Telekomausrüsters Alcatel-Lucent, plant derzeit keine weiteren harten Einschnitte. Verwaayen hält die Zukunft des Unternehmens für gesichert, auch wenn sich Analysten angesichts acht verlustreicher Quartale in Folge fragen, wie lange das Kapital des Unternehmens noch ausreichen wird.

BARCELONA. "Es geht jetzt nicht mehr um eine neue Richtung, sondern um die Umsetzung unserer Strategie", sagte er dem Handelsblatt. Das französisch-amerikanische Joint Venture schreibt seit seinem Zusammenschluss im Frühjahr 2006 rote Zahlen.

Verwaayen hatte erst im September vergangenes Jahres den Chefsessel übernommen - und die Märkte gleich doppelt geschockt: Zunächst gab er eine sehr pessimistische Markt-Prognose für 2009 und verkündete im vierten Quartal Riesen-Abschreibungen von 3,9 Mrd. Euro auf Firmenwerte (Goodwill). Anleger hoffen, dass dieser bilanzielle Hausputz die letzte Bombe war, die in dem transatlantischen Zusammenschluss detoniert ist. Doch so stark mag sich Verwaayen nicht festlegen: "Ich kann das nicht für immer ausschließen", räumt er ein. Aber es gebe derzeit keinen Grund für weitere Erschütterungen. "Unsere Bilanz spiegelt jetzt ehrlich und transparent die Realität wider. Es ist sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich, dass wir in den kommenden zwei Quartalen noch einmal eine große negative Überraschung bieten werden."

Alcatel-Lucent ist weltweit der drittgrößte Anbieter von Telekommunikationsnetzen. Der Konzern hat acht Quartale in Folge Verluste geschrieben. Analysten fragen sich angesichts der Negativserie, wie lange das Kapital des Unternehmens noch ausreicht. Derzeit weist die Bilanz ein Eigenkapital von 4,6 Mrd. Euro aus. Allein 2008 sind aber Verluste von 5,2 Mrd. Euro aufgelaufen.

Verwaayen hält die Zukunft des Unternehmens dennoch für gesichert. Einen Vergleich mit dem kanadischen Anbieter Nortel, der Ende vergangenen Jahres Gläubigerschutz beantragt hatte, weist er von sich. "Es gibt keinen Grund, uns mit Nortel zu vergleichen", sagt Verwaayen. "Unsere Bilanz verbessert sich, unsere Cash-Position ist mehr als ausreichend und solide." Die Barmittel im Konzern betrugen Ende vergangenen Jahres 4,6 Mrd. Euro. Darüber hinaus verfügt Alcatel-Lucent über eine ungenutzte Kreditlinie von 1,4 Mrd. Euro. Der geplante Verkauf der 21-prozentigen Beteiligung an dem französischen Rüstungs- und Elektronikkonzern Thales spült im ersten Halbjahr 1,6 Mrd. Euro in die Kassen. Eine von vielen geforderte Kapitalerhöhung schließt Alcatel-Lucent aus.

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