Telekomausrüster
Ericsson will Handys nicht aufgeben

Nach der milliardenschweren Übernahme der Netzsparte von Nortel tritt der Telekomausrüster Ericsson Befürchtungen entgegen, der schwedische Konzern könnte sich im Gegenzug bald schon von seinem Handy-Geschäft trennen. Der designierte Vorstandschef Vestberg stellt trotz des teurem Zukaufs eine Finanzspritze für Sony-Ericsson in Aussicht.

DÜSSELDORF. "Es gibt keine Diskussion über ein Ende der Partnerschaft", sagte Ericssons Finanzchef Hans Vestberg im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der designierte Vorstandsvorsitzende beteuerte, man wolle an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Sony festhalten.

Am vergangenen Freitag hatte Ericsson 1,13 Mrd. Dollar (795 Mio. Euro) für die Mobilfunksparte des insolventen kanadischen Ausrüsters Nortel geboten und damit den Konkurrenten Nokia Siemens Networks sowie den Finanzinvestor Matlin Patterson Global Advisors aus dem Bieterwettbewerb geworfen. Mit der geplanten Übernahme, der die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen müssen, wollen sich die Schweden in ihrem eigentlichen Kerngeschäft, dem Bau von Mobilfunknetzen, massiv verstärken.

Gleichzeitige Ausstiegspläne aus dem Geschäft mit Mobiltelefonen aber dementieren die Schweden hartnäckig - und dass, obwohl das Joint Venture Sony-Ericsson alles andere als glänzend dasteht. Falls nötig, sagte Vestberg jetzt, sei man sogar bereit, dem verlustreichen Handy-Produzenten finanziell unter die Arme zu greifen. "Wenn das Unternehmen Geld von seinen Müttern braucht, wird es das von uns kriegen", so der Finanzchef.

Das schwedisch-japanische Gemeinschaftsunternehmen legte vor zehn Tagen den vierten Quartalsverlust in Folge vor und verhagelte damit den Nettogewinn von Ericsson. Das zeigte sich mit aller Deutlichkeit am vergangenen Freitag, als Ericsson selbst seine Quartalszahlen präsentierte. Danach verdiente der Weltmarktführer beim Bau von Mobilfunknetzen von April bis Juni netto 56 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Schuld daran seien Restrukturierungskosten von umgerechnet 339 Mio. Euro, erläutere Vestberg, ebenso wie ein operativer Verlust von 116 Mio. Euro aus dem Gemeinschaftsunternehmen STEricsson, das die Schweden mit dem Chiphersteller STMicroelectronics gegründet haben.

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